Eine Klimabilanz ist das Fundament jeder glaubwürdigen Klimastrategie. Dieser Beitrag zeigt, wie Unternehmen mit dem Greenhouse Gas Protocol (GHG) systematisch Emissionen erfassen – von eigenen Anlagen bis zur gesamten Lieferkette. Er erklärt Scopes 1–3, Priorisierung, Datenerhebung und typische Herausforderungen – praxisnah, datenbasiert und strategisch relevant.  

 

Warum ist Klimabilanzierung wirtschaftlich relevant? 

Eine Klimabilanz ist weit mehr als eine Umweltkennzahl – sie wird zunehmend zum strategischen Steuerungsinstrument für Unternehmen. 

Die wichtigsten Treiber: 

  • Kundenerwartungen – insbesondere im B2B-Bereich werden Product Carbon Footprints (PCF) zur Pflichtanforderung in Ausschreibungen. 
  • Finanzierung und Investoren – Banken und Kreditgeber verlangen Klimadaten zur Risikobewertung. 
  • Gesellschaft und Politik – CO₂-Reduktion bleibt ein zentraler Bestandteil der Nachhaltigkeitsagenda. 
  • Interne Steuerung – ohne Kenntnis der Emissionsquellen können Maßnahmen und Investitionen kaum sinnvoll priorisiert werden.  

 

Was umfasst eine Klimabilanz? 

Eine Klimabilanz erfasst alle Treibhausgasemissionen (THG), die entlang der Wertschöpfungskette entstehen – in CO₂-Äquivalenten (CO₂e). 

Grundlage ist das Greenhouse Gas Protocol (GHG), der weltweit etablierte Standard für Corporate Carbon Footprints (CCF) und Product Carbon Footprints (PCF).
Es unterscheidet drei Scopes: 

Etwa 70–90 % der Gesamtemissionen eines Unternehmens entstehen in Scope 3, also außerhalb der eigenen Werkstore.  

 

Methodische Prinzipien nach dem GHG-Protokoll 

Das GHG Protocol definiert fünf Kernprinzipien, die bei der Erstellung einer Klimabilanz beachtet werden müssen: 

  1. Relevanz – Erfassung der für Entscheidungen wesentlichen Emissionen. 
  2. Vollständigkeit – Einbeziehung aller Emissionen innerhalb des festgelegten Bilanzrahmens. 
  3. Konsistenz – Vergleichbarkeit über die Jahre durch gleiche Methoden und Datenquellen. 
  4. Genauigkeit – Minimierung systematischer Über- oder Unterbewertungen. 
  5. Transparenz – Offenlegung von Annahmen, Datenquellen und Abgrenzungen. 

Diese Prinzipien sichern die Vergleichbarkeit und Glaubwürdigkeit der Ergebnisse.  

 

Datenerhebung: Primär- und Sekundärdaten 

Die Qualität der Klimabilanz hängt stark von den zugrunde liegenden Daten ab. 

  • Primärdaten: direkt vom Lieferanten oder durch eigene Messungen erhoben (z. B. Product Carbon Footprints großer Hersteller wie BASF). 
  • Sekundärdaten: branchentypische Durchschnittswerte aus Datenbanken, etwa des Umweltbundesamts oder der britischen Regierung.
    Fehlen Mengenangaben, können Emissionen auch über Einkaufsvolumina (Euro-basierte Daten) geschätzt werden.

Moderne Tools greifen auf solche Datenbanken zurück und automatisieren große Teile der Bilanzierung.

Scopes im Detail 

Scope 1 – Direkte Emissionen 

Umfasst alle Emissionen, die am Standort selbst entstehen, z. B.: 

  • Verbrennung von Heizöl, Gas oder Diesel, 
  • Fuhrparkemissionen, 
  • Prozessgase (z. B. in der Chemie oder Zementindustrie), 
  • Kältemittelverluste aus Klimaanlagen (besonders relevant, da teils 1.000–10.000 × klimaschädlicher als CO₂).  

 

Scope 2 – Eingekaufte Energie 

Bezieht sich auf Strom- und Wärmeerzeugung, die außerhalb des Unternehmens stattfindet. 

Zwei Berechnungsansätze: 

  • Market-based: auf Basis der Emissionswerte des jeweiligen Energieversorgers. 
  • Location-based: auf Basis des durchschnittlichen Strommixes im Land oder der Region.
    Auch Stromverbräuche durch Elektrofahrzeuge und Ladeinfrastruktur sind einzubeziehen.  

 

Scope 3 – Wertschöpfungskette 

Umfasst alle vorgelagerten und nachgelagerten Emissionen, z. B.: 

  • Rohstoff- und Materialbeschaffung, 
  • Transport, Logistik, Geschäftsreisen, 
  • Produktnutzung und -entsorgung. 

Da die Datenerhebung komplex ist, empfiehlt es sich eine Priorisierung nach Relevanz, Messbarkeit und Beeinflussbarkeit. 

So können Unternehmen zunächst mit den größten und steuerbaren Emissionen beginnen (z. B. Pendelverkehr, Transport, Energiebezug).  

 

Herausforderungen und praktische Tipps 

Häufige Stolpersteine bei der Klimabilanzierung: 

  • Fehlende oder unvollständige Daten, 
  • Geringe Lieferantentransparenz, 
  • Schwierige Abgrenzung zwischen Scopes, 
  • Unterschiedliche Genauigkeit der Datenquellen. 

Empfehlung: 

  1. Start small – think big: zunächst auf Scope 1 und 2 fokussieren, Scope 3 schrittweise ausbauen. 
  2. Datenstruktur schaffen: ERP-Systeme, Zählerstände, Fuhrparkdaten und Lieferanteninfos zentralisieren. 
  3. Mit Standardfaktoren starten, dann zunehmend auf Primärdaten umstellen. 
  4. Ergebnisse jährlich fortschreiben, um Fortschritte messbar zu machen.  

 

Klimabilanzierung als strategisches Werkzeug 

Klimabilanzierung ist ein Management-Instrument zur Wertschöpfungssicherung. Sie schafft Transparenz, ermöglicht Priorisierung und liefert die Basis für fundierte Reduktionsmaßnahmen und Investitionsentscheidungen. 

Wer heute seine Emissionen kennt, kann morgen gezielt senken – und bleibt zukunftsfähig im Wettbewerb 

Hinweis: Dieser Text wurde vom Redaktionsteam connectSHub mit KI-Unterstützung erstellt und inhaltlich geprüft. Grundlage des Inhalts ist das Transkript des Impulses aus unserer Veranstaltung:   

Aufzeichnung vom 12.06.2025: Einführung Klimabilanzierung – Prof. Dr. Michael Lühn

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