Nach der THG-Bilanz beginnt der entscheidende Schritt: Ziele festlegen, Maßnahmen auswählen und smart priorisieren. Der Fokus liegt auf früher Reduktion statt spätem Aufholen – mit klaren Zwischenschritten, einer stimmigen Planung (Top-down oder Bottom-up) und einer fundierten Nutzwertanalyse. Unternehmen – besonders KMU – aktivieren so die stärksten Hebel in Wärme, Strom, Mobilität und Einkauf und verbessern gleichzeitig ihre Kostenstruktur.
Für wen eignet sich das Thema und welche wirtschaftlichen Vorteile entstehen?
Für Unternehmen, die nach der Treibhausgasbilanz ihre Reduktionspfade und Maßnahmen festlegen wollen. Besonders KMU profitieren von einer frühen, konsequenten Umsetzung: Wer zu Beginn stark senkt, reduziert die Gesamtemissionen über die Jahre deutlich, schafft Planbarkeit (Zwischenschritte, Investbedarf) und erhöht die Akzeptanz bei Eigentümer*innen, Kunden, Mitarbeitenden und Förderstellen.
Vom Status zur Strategie: Pfad, Ziele und Zwischenschritte
Nachdem die THG-Bilanz erstellt ist, folgt die strategische Ausrichtung: Welche Reduktionspfade sind möglich – und welcher ist sinnvoll? Unternehmen können Emissionen spät senken oder früh stark einsteigen. Ein früher Einstieg reduziert die kumulierten Emissionen deutlich und sorgt langfristig für geringere Klima- und Kostenrisiken.
Wesentlich sind Zwischenschritte und ein transparenter Investitionsplan, anstatt sich nur auf ein Ziel wie 2050 auszurichten.
Top-down oder Bottom-up? Zwei Vorgehensweisen im Vergleich
Top-down:
Ein Reduktionsziel wird gesetzt, anschließend werden Maßnahmen zusammengetragen, bis die Vorgabe erreicht wird.
Bottom-up:
Ausgehend von verfügbaren Maßnahmen wird eine realistische Reduktionskurve erstellt – unter Berücksichtigung von Budget, Ressourcen und technischer Machbarkeit.
Zur Steuerung sollten absolute und relative Kennzahlen kombiniert werden (z. B. pro m², Umsatz, Mitarbeitende). Wachstum darf nicht zu steigenden absoluten Emissionen führen.

Hotspots finden, dann Maßnahmen wählen
Aus der THG-Bilanz folgt die Hotspot-Analyse:
Wo entstehen die größten Emissionen – und wo ist die Beeinflussbarkeit am höchsten?
Beispiele:
- Rohstoffe (Scope 3.1)
- Eigene Energieverbräuche (Scope 1 + 2)
Diese Analyse bildet die Grundlage für ein wirksames Maßnahmenpaket.
Maßnahmenset über alle Scopes
Scope 1 – Wärme & Gebäude
- Optimierung der Bestandsanlage:
Anpassung der Vorlauftemperatur, zeit- oder witterungsabhängige Steuerung → häufig 5–15 % weniger Wärmeenergie, geringe Investitionen. - Technologiewechsel:
Wärmepumpe (Luft/Wasser), ggf. Alternativen wie Tiefenbohrung – Wirtschaftlichkeit prüfen. - Fernwärme prüfen und kommunale Wärmeplanung berücksichtigen.
- Gebäudehülle verbessern, Energieausweis/Energieberatung frühzeitig einbeziehen.
- Kälte und Heizung integriert denken für synergetische Effekte.
Scope 2 – Strom
- Umstellung auf Ökostrom:
Qualitätslabels (z. B. mit Neuanlagenförderung oder Rückverfolgbarkeit) erhöhen die Glaubwürdigkeit. - Effizienzmaßnahmen:
LED (schnelle Amortisation), hocheffiziente Geräte, Bewegungsmelder, Smart-Steuerungen. - Eigenstrom:
Photovoltaik lohnt sich besonders bei hohem Eigenverbrauch; reine Einspeisung führt meist zu längeren Amortisationszeiten.
Scope 3 – Upstream & Downstream
Mobilität
- E-Fuhrpark und Ladepunkte (auch für Mitarbeitende)
- Car- und Bike-Sharing, Jobrad
→ Beispiel: 30–40 Tsd. € eingesparte Parkplatz-Ausbaukosten - Homeoffice und Videokonferenzen
Einkauf & Materialien
- Lieferantenwahl nach Emissionsintensität
→ Beispiel: Aluminium je nach Standort/Energiequelle sehr unterschiedliche CO₂-Faktoren - Verpackung vermeiden oder zentral entsorgen
- Regionalität prüfen
Ressourceneinsparung & Kreislauf
- Trinkwasserspender
→ Beispiel: >100.000 Einwegflaschen/Jahr eingespart - Upcycling, z. B. Büromöbel weiterverwenden oder umfunktionieren
Stakeholder-Dialog & Priorisierung mit Nutzwertanalyse
Stakeholder früh einbinden:
- Gesellschafter/Finanzierung: Wirtschaftlichkeit, Amortisation
- Staat/Regulierung: Preisentwicklung, Pflichten
- Kund*innen: Anforderungen in B2B/B2C-Lieferketten
- Mitarbeitende: Arbeitgeberattraktivität
- Lieferanten: Kooperation, z. B. gemeinsame PV-Projekte
Zur Priorisierung eignet sich ein Scoring / eine Nutzwertanalyse, bei der Anforderungen gewichtet und Maßnahmen objektiv beurteilt werden. Erst danach erfolgt die Umsetzung.
Praktischer Fahrplan für KMU – kompakt
- Bilanz & Hotspots fertigstellen.
- Pfad & Zwischenschritte definieren (Top-down oder Bottom-up, inkl. Investitionsrahmen).
- Maßnahmenliste je Scope erstellen (Wärme, Strom, Mobilität, Einkauf, Kreislauf).
- Stakeholder-Dialog & Scoring durchführen.
- Quick-Wins zuerst:
Optimierung, LED, Ökostrom, PV-Eigenverbrauch, Jobrad/Homeoffice. - Transparente Kommunikation zu Fortschritt und Investbedarf.
Klimaschutz wird wirksam, wenn frühe Reduktion, klare Zwischenziele und ein priorisiertes Maßnahmenpaket zusammenkommen.
Mit den beschriebenen Hebeln senken Unternehmen Emissionen und Kosten zugleich – und gewinnen Akzeptanz bei allen relevanten Anspruchsgruppen.
Jetzt gilt: Hotspots prüfen, Pfad festlegen und ins Doing gehen.
Hinweis: Dieser Text wurde vom Redaktionsteam connectSHub mit KI-Unterstützung erstellt und inhaltlich geprüft. Grundlage des Inhalts ist das Transkript des Impulses aus unserer Veranstaltung:
Aufzeichnung vom 26.06.2025: Einführung Klimaschutzmaßnahmen – Prof. Dr. Michael Lühn