Warum sollten Unternehmen ihre Treibhausgasemissionen bilanzieren – und wie funktioniert das in der Praxis?
Dieser Beitrag zeigt klar, wie wichtig eine solide Datenbasis, Transparenz über Emissionsquellen und gesetzliche Anforderungen für ein strukturiertes Klimamanagement sind.
Besonders für KMU wird deutlich: Eine Klimabilanz hilft, Kosten zu senken, Fortschritte messbar zu machen und sich gegenüber Kund:innen, Kreditgebern und Mitarbeitenden als zukunftsorientiertes Unternehmen aufzustellen.
Der Einstieg über Scope 1 und 2 ist praxisnah, verständlich und direkt umsetzbar.
Ihr fragt Euch jetzt, ob das Thema überhaupt für euer Unternehmen geeignet ist und welche Vorteile Ihr davon habt?
Dieser Beitrag ist besonders relevant für kleine und mittlere Unternehmen, die Klimaschutz strukturiert angehen möchten, aber eine klare Orientierung brauchen.
Eine Klimabilanzierung bringt für KMU:
- Kostenreduktion, z. B. durch Energieeinsparungen oder effizientere Prozesse,
- Transparenz über Emissionsquellen, die Grundlage jeder Maßnahme,
- Entlastung bei Kreditvergabe, da viele Banken Nachhaltigkeitsratings voraussetzen,
- Erfüllung gesetzlicher Anforderungen in der Nachhaltigkeitsberichterstattung,
- Vorteile bei Mitarbeitenden- und Kundengewinnung, da gesellschaftlicher Druck und Erwartungen steigen.
Damit ist die Klimabilanz nicht nur ein Pflichtinstrument, sondern eine strategische Entscheidung, die Wettbewerbsfähigkeit stärkt.
Warum Klimagase bilanzieren? Die Grundlage jeder Klimastrategie
Warum sollte ein Unternehmen überhaupt eine Treibhausgasbilanz aufstellen?
Die wichtigsten Gründe:
- Ohne Datenbasis lassen sich keine realistischen Ziele setzen.
- Unternehmen benötigen Transparenz über Emissionsquellen, um Maßnahmen zu entwickeln.
- Kosteneinsparungen entstehen oft direkt durch geringeren Energieverbrauch.
- Der Handlungsfortschritt wird messbar: Was wurde bereits erreicht? Was bleibt zu tun?
- Gesetzliche Vorgaben wie die Nachhaltigkeitsberichterstattung oder die EU-Taxonomie können eine Bilanz notwendig machen.
- Externe Stakeholder – Kreditgeber, Investoren, Kund*innen – üben zunehmenden Druck aus.
- Ein glaubwürdiges Nachhaltigkeitsprofil hilft bei der Mitarbeitergewinnung.
Die drei Scopes der Klimabilanz mit Fokus auf Scope 1 und 2
Eine Klimabilanz gliedert Unternehmens-Emissionen in drei Bereiche („Scopes“). Während Scope 1 und 2 den direkten Einstieg ermöglichen, zeigt Scope 3, wo der größte Hebel liegt.
Scope 1: Direkte Emissionen
Alle Emissionen, die im Unternehmen selbst entstehen, z. B.:
- Heizungsanlagen und Blockheizkraftwerke,
- Fuhrpark, Maschinen und mobile Geräte,
- Kältemittelverluste aus Klima- und Kühlanlagen,
- Prozess-Emissionen in der Industrie (z. B. Chemie, Zement).
Scope 2: Indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie
Hierzu zählen:
- eingekaufter Strom,
- Fernwärme / Fernkälte,
- Nahwärme vom Vermieter,
- eingekaufter Dampf oder andere Energieformen.
Unternehmen können entweder den bundesweiten Strommix oder – besser – die CO₂-Werte ihres Energielieferanten nutzen.
Wichtig: Bei zertifiziertem Ökostrom kann Scope 2 auf Null gesetzt werden.
Scope 3: Die Wertschöpfungskette – hier entstehen die meisten Emissionen
Auch wenn der Fokus häufig auf Scope 1 und 2 liegt, zeigt sich deutlich:
- Scope 1 und 2 machen meist nur etwa 20 % der Gesamtemissionen aus.
- Rund 80 % liegen in der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette.
Dazu gehören z. B. Rohstoffproduktion, Transport, Nutzung durch Kund*innen und Entsorgung.
Für KMU bedeutet das:
Der Einstieg über Scope 1 und 2 ist sinnvoll und gut handhabbar. Langfristig führt jedoch kein Weg an Scope 3 vorbei, wenn ein Unternehmen seine Klimawirkung umfassend verstehen und reduzieren möchte.

Standards und Prinzipien für eine korrekte Bilanzierung
Der Vortrag nennt das Greenhouse Gas Protocol als weltweit anerkannten Standard.
Damit eine Bilanz korrekt ist, müssen folgende Prinzipien erfüllt sein:
- Relevanz – passende Systemgrenzen definieren, z. B. Standort, Unternehmen oder gesamte Wertschöpfungskette.
- Vollständigkeit – alle Emissionsquellen erfassen, inklusive kleinerer Posten.
- Transparenz – Quellen, Schätzungen und Berechnungen offenlegen.
- Konsistenz – Methoden über mehrere Jahre beibehalten.
- Korrektheit – aktuelle, verlässliche Daten verwenden.
Diese Prinzipien machen die Bilanz vergleichbar, nachvollziehbar und auditfähig.
Wie werden Emissionen berechnet?
Um Emissionen zu ermitteln, werden eingesetzte Materialien, Energieträger oder Prozesse mit sogenannten Emissions- bzw. Umrechnungsfaktoren multipliziert. Diese Faktoren geben an, wie viel CO₂ oder CO₂-Äquivalent (CO₂e) pro Einheit freigesetzt wird.
Beispiele für Umrechnungsfaktoren
Einige typische Faktoren lauten:
- 1 Liter Diesel → 2,7 kg CO₂
- 1 kWh Erdgas → 0,2 kg CO₂
Andere Stoffe benötigen deutlich spezifischere Daten – etwa bei Rohstoffen wie Aluminium. Die Emissionen unterscheiden sich stark, je nachdem wo und wie ein Material produziert wurde (z. B. Aluminium aus Island mit Wasserkraft vs. Aluminium aus Regionen mit kohlebasiertem Strom).
Unterschiedliche Wirkung von Treibhausgasen
Nicht alle Treibhausgase wirken gleich stark auf das Klima. Deshalb werden sie in CO₂-Äquivalenten angegeben, um sie vergleichbar zu machen.
Typische Faktoren:
- CO₂ = 1
- Methan = 28
- Lachgas = 298
- Kältemittel können ein Vielfaches höher liegen – einzelne Stoffe erreichen Werte wie
- 1 kg → 1,43 Tonnen CO₂-Äquivalent
Diese Unterschiede zeigen, wie entscheidend es ist, alle relevanten Treibhausgase vollständig zu berücksichtigen – nicht nur CO₂.
Datenquellen für die Bilanzierung
Unternehmen können nutzen:
- Primärdaten von Lieferanten, z. B. Produktspezifische Emissionen,
- Standarddatenbanken, etwa mit Branchendurchschnittswerten,
- Tools, die Einkaufsmengen in Euro statt Materialmengen berücksichtigen (als grobe Alternative).
Gerade KMU profitieren davon, dass der Einstieg auch mit Näherungswerten möglich ist – perfekt für die ersten Schritte.
Konkreter Einstieg in Scope 1 und 2 – was KMU jetzt tun können
Der Einstieg in die Klimabilanz beginnt mit pragmischen Schritten, die Unternehmen schnell umsetzen können. Besonders Scope 1 und Scope 2 lassen sich mit überschaubarem Aufwand erfassen und bilden eine solide Grundlage für den weiteren Klimaschutz.
-
Energie- und Verbrauchsdaten sammeln
Alle relevanten Verbrauchsdaten zusammentragen – dazu zählen unter anderem:
- Heizenergie
- Strom
- Fuhrpark und Maschinen
- Kältemittelverluste aus Klima- und Kühlanlagen
Diese Daten bilden die Basis jeder präzisen Berechnung.
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Emissionsfaktoren anwenden
Die gesammelten Verbräuche werden mit passenden Emissionsfaktoren multipliziert, um die CO₂-Emissionen zu ermitteln. So werden die Ergebnisse transparent und nachvollziehbar.
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Relevante Systemgrenzen definieren
Vor Beginn der Berechnung festlegen, was betrachtet wird:
- nur ein Standort oder das gesamte Unternehmen?
- zunächst nur Scope 1 und 2?
Klare Grenzen verhindern Lücken oder Doppelzählungen.
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Ökostrom prüfen
Der schnellste und wirkungsvollste Hebel für KMU:
Zertifizierter Ökostrom kann Scope 2 bilanziell auf Null setzen.
Damit sinken die Emissionen ohne technische Eingriffe deutlich.
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Ergebnisse dokumentieren und jährlich fortschreiben
Regelmäßige Aktualisierungen schaffen:
- einen belastbaren Trend über die Jahre
- eine Grundlage für Reduktionsziele
- Transparenz gegenüber Kund:innen, Mitarbeitenden und Partnern
Klimabilanzierung als Grundlage für strategischen Klimaschutz
Eine Klimabilanz ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, das Kosteneinsparungen, Unternehmensstärkung und gesetzliche Sicherheit ermöglicht.
Für KMU bietet der Einstieg über Scope 1 und 2 genau das, was sie brauchen:
- ein handhabbares System,
- schnelle Fortschritte,
- und eine klare Grundlage für weitere Schritte bis hin zu Scope 3.
Wer heute Transparenz über seine Emissionen schafft, kann morgen gezielt reduzieren – und positioniert sich als verantwortungsbewusstes, zukunftsorientiertes Unternehmen.
Hinweis: Dieser Text wurde vom Redaktionsteam connectSHub mit KI-Unterstützung erstellt und inhaltlich geprüft. Grundlage des Inhalts ist das Transkript des Impulses aus unserer Veranstaltung:
Aufzeichnung vom 01.10.2024: Impuls: Direkte Emissionen erfassen (Scope 1 – 3) – Prof. Dr. Michael Lühn