Dieser Beitrag zeigt, warum Klimabilanzierung die Grundlage jeder strategischen Entscheidung ist, welche Rolle Scope 1, 2 und 3 spielen und wie Firmen zwischen Klimaneutralität und Paris-kompatiblen Zielen wählen. Besonders KMU profitieren von klaren Reduktionspfaden, wirtschaftlichen Einsparpotenzialen und strukturierten Schritten, um glaubwürdigen Klimaschutz im eigenen Betrieb zu verankern.
Ihr fragt Euch jetzt, ob das Thema überhaupt für euer Unternehmen geeignet ist und welche Vorteile Ihr davon habt?
Dieser Beitrag richtet sich insbesondere an kleine und mittlere Unternehmen, die Klimaschutz strategisch angehen wollen – praxisorientiert und echter Wirksamkeit.
Das Thema bietet wirtschaftliche Vorteile, weil eine strukturierte Klimabilanzierung:
- Kosten senkt, z. B. durch Energieeinsparungen oder effizientere Prozesse,
- Risikovorbeugung gegenüber steigenden Energie- und CO₂-Preisen ermöglicht,
- Planungssicherheit durch klare Zielpfade schafft,
- Attraktivität für Kunden, Mitarbeitende und Partner erhöht, die zunehmend auf glaubwürdige Klimastrategien achten.
Damit eignet sich dieser Ansatz für alle KMU, die Klimaschutz wirtschaftlich sinnvoll verankern möchten und einen praktikablen, nachvollziehbaren Einstieg suchen.
Vom Ziel zur Umsetzung
Wie können Unternehmen Klimaziele setzen und systematisch umsetzen?
Grundlage dafür ist immer die Klimabilanzierung – zunächst in Scope 1 und 2, später ergänzt um Scope 3, sofern möglich.
Klimaziele festlegen: Klimaneutralität oder Paris-Kompatibilität?
Unternehmen verfolgen heute überwiegend zwei große Zielrichtungen:
- Klimaneutralität
- Übereinstimmung mit den Klimazielen von Paris
Während Klimaneutralität vielen zunächst verständlicher und „greifbarer“ erscheint, hat sie in der Vergangenheit Kritik erfahren – vor allem wegen der Rolle der Kompensation.
Deshalb wählen viele Unternehmen zunehmend Paris-kompatible Ziele, wie sie über die Science-Based Targets Initiative (SBTi) definiert werden. Denn diese orientieren sich am weltweit verfügbaren Restbudget für Treibhausgase.
Der Weg zur Klimaneutralität – bisherige Praxis und ihre Grenzen
Für Klimaneutralität gab es lange die Norm PAS 2060, die jedoch bald abgelöst wird. Der Prozess umfasst:
- Festlegung des betrachteten Bereichs (z. B. Standort, Gebäude, Produkt),
- Erstellung einer Klimabilanz,
- Maßnahmen zur Emissionsreduktion,
- Kompensation der unvermeidbaren Restemissionen.
Wesentliche Einschränkung: Unternehmen müssen zunächst zeigen, dass sie tatsächlich reduzieren, bevor sie kompensieren dürfen. Die Erfahrung zeigt, dass dieser Ansatz häufig zu spät wirksamen Klimaschutz liefert. Deshalb gewinnt der Paris-kompatible Ansatz an Bedeutung.
Mit dem Erscheinen der neuen ISO 14068 wurde ein internationaler Standard etabliert, der PAS 2060 ersetzen soll.
Science-Based Targets: Klimaschutz nach wissenschaftlichen Maßstäben
Die SBTi bietet ein klares Methodenset, das Unternehmen hilft, Ziele abzuleiten, die zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 °C beitragen.
Kernprinzipien:
- Unternehmen reduzieren ihre Emissionen im Schnitt um 4,2 % pro Jahr,
- Zielzeiträume umfassen 5–10 Jahre,
- Scope 1, 2 und 3 werden einbezogen,
- Kompensation spielt erst nach weitreichender Reduktion eine Rolle.
Dieser Ansatz ist ambitionierter als reine Klimaneutralität, da er verhindert, dass Unternehmen zunächst hohe Emissionen verursachen und sie erst spät ausgleichen.
ISO 14068: Neuer Standard für Klimaneutralität
Die neue Norm ersetzt die PAS 2060 und orientiert sich stärker an wissenschaftsbasierten Reduktionspfaden. Sie verlangt:
- Langfristziele bis 2050,
- Zwischenziele im 5–10-Jahres-Rhythmus,
- Priorität für Vermeiden vor Minderungen vor Kompensieren,
- Fokus auf echte CO₂-Entnahmen (Removals) gegenüber reinen Minderungsprojekten.
Auch hier gilt: Reduktion steht deutlich vor Kompensation.
Konkrete Umsetzungsschritte im Unternehmen
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Systemgrenzen definieren
Unternehmen müssen klären, welche Bereiche betrachtet werden:
- gesamtes Unternehmen,
- Teilbereiche,
- Lieferanten- oder Produktketten.
Um wirksame Ziele entwickeln zu können, folgt anschließend die Klimabilanz.
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Klimabilanz erstellen
Sie bildet die Grundlage aller Entscheidungen und zeigt, wo Einsparpotenziale liegen. (Die detaillierte Bilanzierung wird im Vortrag an andere Referenten übergeben.)
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Maßnahmen zur Vermeidung und Verminderung bewerten
Unternehmen sollten priorisieren:
- Welche Maßnahmen liefern hohen Effekt bei wenig Aufwand?
- Wo besteht realer Einfluss (intern, Lieferanten, Kunden)?
- Welche Risiken bestehen, Ziele nicht zu erreichen?
- Wie schnell ist eine Maßnahme umsetzbar?
Wirtschaftliche Faktoren spielen eine zentrale Rolle – viele Maßnahmen führen zu messbaren Einsparungen, etwa geringeren Energieverbräuchen oder eigenen Erträgen, z. B. durch Photovoltaik.
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Ökostrom als effektiver Hebel
Der Umstieg auf Ökostrom kann – insbesondere für stromintensive Betriebe – die Bilanz deutlich verbessern. Beispiele im Vortrag zeigen starke Reduktionen unmittelbar nach Umstellung. Für die Auswahl von Anbietern gibt es Qualitätslabels, die unterschiedliche Nachhaltigkeitsansprüche abbilden.
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Kompensation (wo nötig)
Sie ist der letzte Schritt – erst nach Reduktion und Ökostrombezug.
Einige Labels bieten zusätzliche Kriterien wie Naturschutz oder Ausbauwirkung erneuerbarer Energien.
Klimaschutz strategisch und wirtschaftlich denken
Klimaziele sind ein systematischer Prozess, der Unternehmen langfristig stärkt.
Für KMU bedeutet das:
- früh anfangen,
- realistische und wissenschaftsbasierte Ziele setzen,
- wirtschaftliche Chancen nutzen,
- und Klimaschutz als strategisches Zukunftsthema verankern.
Wer diese Schritte konsequent geht, schafft transparente, glaubwürdige und wirtschaftlich vorteilhafte Klimastrategien.
Hinweis: Dieser Text wurde vom Redaktionsteam connectSHub mit KI-Unterstützung erstellt und inhaltlich geprüft. Grundlage des Inhalts ist das Transkript des Impulses aus unserer Veranstaltung:
Aufzeichnung vom 01.10.2024: Klimaziele setzen und umsetzen – Einführung Klimabilanzierung – Prof. Dr. Holger Petersen