Dieser Beitrag zeigt, wie sich klassische Geschäftsmodelle neu denken lassen – vom „Verkaufen und fertig“-Prinzip hin zu Nutzung ohne Besitz, Kreislaufführung und Langlebigkeit. Beispiele von HPs Druckerpatronenstrategie bis zu Carsharing und MEWA-Textilservice verdeutlichen: Nachhaltigkeit entsteht, wenn Nutzen, Kundenzugang und Ertragsmodell zusammenwirken 

 

Was beantwortet ein Geschäftsmodell überhaupt? 

Ein Geschäftsmodell beschreibt, wie ein Unternehmen Nutzen stiftet und Einnahmen erzielt – kurz: Wie funktioniert das Geschäft? 

Es umfasst: 

  • Kundennutzen und Zielgruppe, 
  • Marktzugang und Partner, 
  • Ressourcen & Kernprozesse, 
  • sowie das Ertragsmodell, also die Art, wie der Nutzen zu Einnahmen führt.
    Visualisiert wird das häufig im Business Model Canvas nach Osterwalder.

 

Vom Begriff zur Praxis: Wie Geschäftsmodelle relevant wurden 

In den 1990er Jahren verlagerte sich der Fokus von „Strategie“ auf „Geschäftsmodelle“.
Anfangs ein IT-Thema (Prozesssimulationen), wurde der Begriff populär durch Internet-Start-ups: Wie lässt sich mit kostenlosen Angeboten Geld verdienen? 

  • Frühbeispiele: Suchmaschinen wie AltaVista oder Yahoo! – Werbung als Einnahmequelle. 
  • Das Prinzip: Wer nicht zahlt, ist Teil des Produkts – die Nutzer:innen liefern die Daten 
  • Heute bekannt als Freemium-Modell – z. B. Spotify: kostenlos mit Werbung, Premium gegen Gebühr.

 

Ertragsmodelle und Kundenbindung – vom Drucker bis Alexa 

Ein klassisches Beispiel für langfristige Ertragsmodelle ist die Druckerbranche

Geräte wurden immer günstiger, während der Großteil der Einnahmen über Tintenpatronen generiert wurde. Das Geschäftsmodell setzt auf wiederkehrende Umsätze und starke Kundenbindung, die über Abhängigkeiten im Produktdesign entsteht. 

Ein ähnliches Prinzip findet sich bei digitalen Ökosystemen wie Amazon Alexa. Hier geht es weniger um den Verkauf eines Lautsprechers, sondern um den Aufbau eines Voice-Commerce-Modells – ein Versuch, Einkäufe und Services über Sprachsteuerung zu monetarisieren. Dieses Modell hat jedoch nicht den gewünschten Erfolg erzielt. 

 

Skalierung und Nachhaltigkeit – von Ford bis Flop 

Henry Ford prägte mit dem Fließband das Prinzip der Skalierbarkeit: mehr Stück, weniger Kosten. 

Doch das „Verkaufen und fertig“-Denken stößt bei Nachhaltigkeit an Grenzen. 

  • Fords Versuch, das Flugzeug für jedermann zu bauen, scheiterte – ökonomisch wie ökologisch lehrreich: Nicht jedes Produkt sollte massentauglich werden
  • Statt Besitz: Dienstleistung – Nutzen ohne Eigentum, etwa Flugverkehr als Service.

 

Neue Anforderungen, neue Geschäftsmodelle 

Beispiel Veko (Feuerwerkshersteller): drohende Verbote gefährden das Kerngeschäft

Statt Böllerverkauf könnte das Unternehmen städtische Feuerwerke als Event-Service anbieten. 

Doch: 

  • Wie lässt sich ein öffentlich sichtbares Gut monetarisieren? 
  • Und: Ist Veko überhaupt Eventanbieter oder nur Logistikexperte? 

→ Erkenntnis: Kernkompetenzen analysieren – z. B. Gefahrgut-Logistik als neues Geschäftsmodell 

 

Nutzung ohne Besitz – Genossenschaften & Sharing  

Schon früher wurde geteilt, bevor Besitz erschwinglich war: 

  • Gefrierhäuser der 1950er Jahre – gemeinschaftliche Nutzung, statt eigene Geräte. 
  • Waschsalons heute als Nischenlösung, teils kombiniert mit sozialem Treffpunkt oder Café. 

Ökonomisch geht es um die Frage: „Wie lässt sich Umsatz ohne Absatz erzielen?“ – also Erlöse über Nutzung statt Verkauf 

 

Carsharing als Vorbild 

Carsharing entstand aus genau diesem Gedanken. 

Erst durch digitale Plattformen und Apps wurde es massentauglich: flexible Nutzung ohne feste Stationen, einfache Abrechnung per Smartphone. 

Das Beispiel zeigt, wie Technologie Kundenzugang und Geschäftsmodell radikal verändert 

Mit autonomen Fahrzeugen könnte das Konzept noch stärker skalieren – der Besitz eines eigenen Autos würde in Städten überflüssig 

 

Nachhaltigkeitslogik: Nutzung intensivieren, Kreisläufe schließen 

Nachhaltige Geschäftsmodelle setzen auf: 

  1. Nutzungsintensivierung – z. B. Carsharing: mehr Nutzung pro Produkt. 
  2. Nutzungsdauerverlängerung – langlebige Maschinen oder Textilien. 
  3. Kreislaufführung – Produkte werden wiederverwendet, repariert, vermietet. 

 

Beispiele: 

  • MEWA: Vermietung und Reinigung von Arbeitskleidung + Rücknahme von Putztüchern → geschlossener Wasserkreislauf.
  • Mumox: Online-Secondhand-Plattform. 
  • Repair Cafés: gemeinschaftliche Reparatur statt Neukauf. 
  • Ökodesign-Verordnung: fördert reparaturfähige Produkte – neue Geschäftsmodelle entstehen durch Regulierung

 

Geschäftsmodelle als Hebel für Nachhaltigkeit 

Nachhaltigkeit entsteht nicht durch Zusatzmaßnahmen, sondern durch neue Logiken im Geschäftsmodell: 

  • Nutzen > Besitz, 
  • Kreisläufe > lineare Nutzung, 
  • Partnerschaft > Einmalverkauf. 

 

Das Butterfly-Modell zeigt dabei Wege, Kreisläufe systematisch in die Wertschöpfung zu integrieren – als Basis für zukunftsfähige Geschäftsmodelle 

 

 

Hinweis: Dieser Text wurde vom Redaktionsteam connectSHub mit KI-Unterstützung erstellt und inhaltlich geprüft. Grundlage des Inhalts ist das Transkript des Impulses aus unserer Veranstaltung:

Aufzeichnung vom 05.09.2024: Nachhaltige Geschäftsmodelle – Prof. Dr. Holger Petersen

Download: Präsentation

 


Passende Artikel