Prävention in der Lieferkette lässt sich mit klar strukturierten Schritten effizient gestalten: Eine öffentlich zugängliche Grundsatzerklärung, eine risikobasierte Lieferantenauswahl, verbindliche Vertragsbestandteile, Selbstauskünfte sowie überprüfbare Nachweise bilden den Kern eines wirksamen Systems. Besonders für KMU ergeben sich ökonomische Vorteile, weil Nachweise gezielt statt pauschal erhoben werden können und kostenintensive Audits nicht verpflichtend sind.
Relevanz und wirtschaftlicher Nutzen
Ein strukturiertes Präventionssystem in der Lieferkette eignet sich insbesondere für Unternehmen, die mit erhöhten sozialen oder menschenrechtlichen Risiken in ihren Beschaffungsprozessen konfrontiert sind. Für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) ergeben sich daraus klare wirtschaftliche Vorteile: präzisere Lieferantenauswahl, geringere Folgekosten durch präventive Maßnahmen, die Vermeidung unnötig aufwendiger Audits sowie effizientere interne Abläufe durch standardisierte Nachweis- und Prüfprozesse.
Grundsatzerklärung als Ausgangspunkt
Die Prävention beginnt mit einer öffentlich zugänglichen Grundsatzerklärung. Diese dokumentiert:
- die Einführung eines Risikomanagementverfahrens,
- die priorisierten Risiken wie etwa Kinderarbeit,
- die Erwartungen an Mitarbeitende – vor allem in der Beschaffung – sowie
- die Erwartungen an Lieferanten.
Damit schafft die Erklärung Transparenz und legt die Grundlage für ein systematisches Vorgehen.
Gesetzlich geforderte Präventionsstufen
Die folgenden vier Stufen stellen die Kernanforderungen dar:
- Lieferantenauswahl: Auswahl nach sozialen und ökologischen Kriterien, um Risiken zu minimieren.
- Vertragliche Verpflichtung: Aufnahme eines Code of Conduct sowie vertraglicher Zusicherungen zur Einhaltung der Menschenrechte; zudem die Vereinbarung von Kontrollrechten.
- Selbstauskünfte: Strukturierte Abfrage relevanter Informationen beim Lieferanten, unterstützt durch ggf. ergänzende Fremdauskünfte.
- Prüfung durch Nachweise: Überprüfung der Selbstauskünfte mittels Dokumenten, Zertifikaten und weiteren Belegen.
Diese vier Stufen stellen die gesetzlich geforderte Mindestanforderung dar.
Praxistaugliche Elemente für KMU
Besonders für KMU ist ein effizienter Zuschnitt dieser Instrumente bedeutsam:
- Zertifizierungen als Orientierung: Labels wie Fair Trade, GOTS oder SA 8000 bieten Hinweise auf geringere Risiken. SA 8000 ist besonders aussagekräftig, da hier explizit menschenrechtliche Kriterien geprüft werden.
- Vertragliche Konkretisierung: Verträge können umfangreich sein, aber auch in reduzierter Form klare Standards setzen. Öffentlich verfügbare Vertragsbeispiele zeigen, wie detailliert Arbeitszeit, Mindestlohn oder Sicherheitsstandards geregelt werden können.
- Strukturierte Selbstauskunft: Vorlagen für Selbstauskünfte sind verfügbar und lassen sich an unternehmensspezifische Anforderungen anpassen.
- Nachweiserhebung: Nachweise umfassen beispielsweise Lohnbuchhaltungsdokumente zum Mindestlohn oder Belege über Erste-Hilfe-Ausrüstung und Feuerlöscher. Zertifikate wie der Öko-Tech-Standard decken zwar ökologische Kriterien ab, dienen aber dennoch als Art von Nachweis.
Externe Bewertungen (optional)
Externe Dienstleister wie Ecovades bieten umfassende Prüfverfahren an, die neben sozialen Aspekten auch Lieferkettenstrukturen und Umweltkriterien einbeziehen. Diese Verfahren sind allerdings kostenintensiv und verlangen eine große Menge an Nachweisen. Der Vorteil liegt jedoch in der Mehrfachverwendbarkeit der eingereichten Dokumente durch Lieferanten gegenüber verschiedenen Kunden.
Vor-Ort-Audits als freiwillige Ergänzung
Audits vor Ort sind nicht gesetzlich vorgeschrieben, können aber zusätzliche Sicherheit bieten. Sie sind jedoch aufwendig und erfordern Sensibilität, da unangekündigte Besuche kulturell problematisch sein können. Üblich ist daher eine halbangekündigte Form, bei der ein Zeitfenster, nicht jedoch ein konkreter Termin vereinbart wird.
Interne Befähigung
Ein wesentlicher Bestandteil der Prävention ist die Schulung der eigenen Mitarbeitenden, insbesondere in der Beschaffung und im Umgang mit den vier zentralen Präventionsstufen.
Fazit
Ein wirksames Präventionssystem in der Lieferkette basiert auf einer klar formulierten Grundsatzerklärung, strukturierten Auswahl- und Prüfprozessen sowie dokumentierten Nachweisen. Für KMU entsteht damit ein handhabbarer Ansatz, der Risiken reduziert und gleichzeitig wirtschaftlich effizient bleibt – ohne die Notwendigkeit verpflichtender Audits, aber mit der Möglichkeit, diese bei Bedarf gezielt einzusetzen.
Wer tiefer in die praktische Umsetzung einsteigen und die beschriebenen Schritte anhand konkreter Beispiele nachvollziehen möchte, findet im folgenden Impulsvortrag eine kompakte und verständliche Orientierung – ideal, um direkt ins eigene Lieferkettenmanagement einzusteigen und erste Maßnahmen strukturiert umzusetzen.
Hinweis: Dieser Text wurde vom Redaktionsteam connectSHub mit KI-Unterstützung erstellt und inhaltlich geprüft. Grundlage des Inhalts ist das Transkript des Impulses aus unserer Veranstaltung:
Aufzeichnung vom 07.11.2024: Prävention und Beschwerdeverfahren – Prof. Dr. Holger Petersen
Material: Präsentation (Download)