Wie wird Klimamanagement vom Projekt zur Steuerung?  

Die Hamburger HOCHBAHN zeigt es: klare Ziele bis 2030 (Scope 1+2), konsequente Elektrifizierung der Flotte, Ökostrom, klare Kennzahlen pro (Nutzplatz-/Personen-)Kilometer – und der Schritt in Scope 3 mit Hotspot-Analyse (Bau, Beschaffung).  

Praktische Learnings zu Daten, SAP-Auswertungen und CO₂-Kriterien in Investitionen & Einkauf machen den Ansatz für KMU sofort nutzbar.  

 

Für wen eignet sich das Thema und welche wirtschaftlichen Vorteile ergeben sich? 

Für Unternehmen, die Klimaschutz wirksam und steuerbar verankern wollen – besonders KMU mit knappen Ressourcen. Der Ansatz der HOCHBAHN zeigt, wie sich durch fokussierte Hebel (Elektrifizierung, Ökostrom) und harte Kennzahlen Entscheidungen verbessern: Emissionen werden sichtbar, Maßnahmen priorisierbar, Investitionen vergleichbar (u. a. per CO₂-Schattenpreis) und Beschaffung gezielter (Muss-/Kann-Kriterien). Das reduziert Fehlallokation, erhöht Wirkung und bringt Klimaziele in die Liniensteuerung statt in Einmalprojekte.  

 

Ausgangslage & Organisation 

  • Nachhaltigkeitsmanagement als Teamaufgabe (u. a. Dekarbonisierung, Lieferantenmanagement, Reporting, Energie, Green Finance) – konzernweit gedacht. 
  • Trotz regulatorischer Entlastungen bleibt die HOCHBAHN berichtspflichtig und baut Klimamanagement seit 2017 systematisch aus.  

Ziele & schnelle Hebel in Scope 1+2 

  • Ziel 2030: Klimaneutralität bzgl. Energieverbrauch und flüchtiger Gase; Restemissionen ab 2030 ausgleichen. 
  • Haupthebel: Elektrifizierung der Bus- und Betriebsfahrzeugflotte (über 80 % der Scope-1/2-Emissionen stammen aus Diesel für Busse). 
  • Ökostrom seit 2019 mit Qualitätskriterien; weitere Hebel: Wärme/Kälte an Standorten. 
  • Ergebnisbezug: 2023→2024 deutliche Reduktion durch E-Busse; langfristig zählt auch spezifische Effizienz: 
  • g CO₂e/Nutzplatz-km von 17,25 (2019) auf 15,45 (2024), 
  • parallel Ziel: Auslastung steigern (g CO₂e/Personen-km).  

 

Daten & Systeme: ehrlich, händisch, lernend 

  • Energiedaten bisher klassisch per Excel; jährliche Bereitstellung, Korrekturen und Ersatzwerte bei Lücken; Abgrenzung zu Mietern/Tochterfirmen oft manuell → Projekt Messstellenkonzept angestoßen. 
  • Unterschiedliche Stromverträge im Konzern → vorläufig lieferanten-/standortspezifische Bilanzierung. 
  • Emissionsfaktoren: primär Umweltbundesamt (Scope 1/2), ergänzend britische Regierungsdaten und ISO-Leitfäden für Transport. 
  • Ergebnis: Klarer Blick auf Anforderungen – hilfreich für Tool-Auswahl bzw. künftige SAP-Integration 

 

Der große Brocken: Scope 3 (75 % in 2024) 

  • Pflicht (u. a. Stadt Hamburg): ab 2024 Klimabilanz inkl. Scope 3, 2025 Klimastrategie dazu. 
  • Hotspots v. a. 3.1/3.2: Bautätigkeiten & Infrastruktur, dazu Fahrzeugbeschaffung; anteilig auch brennstoff-/energiebezogene Vorketten. 
  • Datenquellen: SAP-Auswertung (KALR) auf Einzelposten-Ebene (Sachkonto × Warengruppe), für Lagerware Bestelldaten. 
  • Faktoren & Matching: 
  • Primärdaten, wo vorhanden (z. B. E-Bus, Ladetechnik, Fahrtreppen, IT; einzelne Bauprojekte), 
  • sonst spend-based über EXIOBASE, perspektivisch Ecoinvent. 
  • Matching-Logik: Primärfaktor → Warengruppe → Kostenart (Fallback). 
  • Cleansing-Realität: Start mit > 270.000 Zeilen; Konzerndubletten, Umbuchungen, Scope-Überschneidungen, Warengruppenbereinigung, Primärdaten-Zuordnung – Bereinigung dauert, Rechnung ist ein Klick. 
  • Erkenntnisse: Primärdaten sind nicht automatisch niedriger, aber steuerungsrelevant; Warengruppen liefern konsistentere Ergebnisse als grobe Kostenarten.  

 

Von Bilanz zu Steuerung: Verankerung im Alltag 

  • Erfolgskompass: monatliches Monitoring Scope 1/2/3 inkl. Zielwerte nach neuer Strategie. 
  • CO₂-Schattenpreis in Investitionsentscheidungen. 
  • Beschaffung mit Muss-/Kann-Kriterien (z. B. Grenzwerte bei Stahl, Mindestreduktionen ggü. Standard, Ökostrom in der Produktion). 
  • Planungs- & Beschaffungswirkung am Beispiel U5: ~70 % Emissionsreduktion ggü. „Wir-tun-nichts“ durch Vorgaben/Anpassungen.  

 

Übertrag für KMU – was sich direkt anwenden lässt 

  1. Fokussieren: Erst die größten Hebel (Flotte/Prozessenergie/Strommix) angehen, spezifische Kennzahlen einführen. 
  2. Daten pragmatisch: Mit Excel + festen Routinen starten; Messstellen klären, Lücken kennzeichnen, jährlich fortschreiben. 
  3. Scope 3 mit Hotspots: Warengruppen-basierte spend-Ansätze nutzen; Primärdaten dort fordern, wo viel Volumen oder Hebel liegt. 
  4. Cleansing professionalisieren: Eindeutige Warengruppen, Fallback-Logik, Zuständigkeiten (Einkauf/IT/Controlling) festlegen. 
  5. Steuerung statt Kür: CO₂-Kriterien in Capex & Einkauf verankern; Monats-KPIs etablieren.  

Fazit

Die HOCHBAHN macht vor, wie konkrete Hebel, saubere Datenwege und harte Kennzahlen Klimamanagement aus der Projekt-Ecke holen. Für KMU heißt das: große Emissionsquellen zuerst, Daten ausreichend gut statt perfekt, Scope 3 hotspot-basiert, und CO₂ fest in Entscheidungen & Beschaffung verankern – so entsteht Wirkung, die sich messen lässt.  

 

Download: Präsentation

 


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