Das Programm „SDG-Scouts“ qualifiziert Mitarbeitende in kleinen und mittleren Unternehmen systematisch zu Nachhaltigkeitsbotschafter:innen. In einem strukturierten Ablauf aus Workshops, Praxisphasen und einer Abschlusspräsentation entstehen konkrete Projekte, die sowohl Kompetenzen stärken als auch betriebliche Entwicklungen anstoßen – von nachhaltiger Mobilität über Digitalisierung bis hin zu internen Sensibilisierungsmaßnahmen.
Zielgruppen und wirtschaftlicher Nutzen
Das Qualifizierungsprogramm „SDG-Scouts“ eignet sich insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, die Nachhaltigkeit praxisnah in die Organisationsentwicklung integrieren möchten. Teilnehmen können Auszubildende, Nachwuchskräfte und Mitarbeitende, die neue Impulse in das Unternehmen bringen. Aus wirtschaftlicher Sicht bietet das Konzept mehrere Vorteile: Es unterstützt die interne Verankerung von Nachhaltigkeit, liefert Vorarbeiten für die Nachhaltigkeitsberichterstattung, stärkt das Employer Branding und trägt zur Fachkräftesicherung bei. Zudem können die entwickelten Projektideen unmittelbare Effekte auf betriebliche Abläufe und Kostenstrukturen haben, etwa durch nachhaltigere Mobilitätsangebote oder effizientere Prozesse.
Konzeption und Zielsetzung
Das Programm basiert auf den 17 Sustainable Development Goals (SDGs), die als strukturierendes Analyse- und Handlungssystem dienen. Teilnehmende sollen Kompetenzen für nachhaltige Entwicklung erwerben und lernen, bestehende Unternehmenspraktiken hinsichtlich Nachhaltigkeit systematisch zu reflektieren. Die SDGs bilden dabei die Grundlage für eine Bestandsaufnahme: Was ist bereits vorhanden, wo bestehen Entwicklungspotenziale und welche Projektideen lassen sich daraus ableiten?
Ablaufstruktur
Der Qualifizierungsprozess erstreckt sich über etwa ein halbes Jahr und umfasst:
- drei Präsenzworkshops,
- zwei integrierte Praxisphasen sowie
- eine abschließende Projektpräsentation.
Die Workshops decken grundlegendes Nachhaltigkeitswissen, die Übertragung der SDGs auf betriebliche Kontexte sowie die systematische Entwicklung von Projektkonzepten ab. Ein zentrales Element ist die sogenannte SDG-Erkundung, die mithilfe von Checklisten zu jedem der 17 Ziele durchgeführt wird. Die Teilnehmenden analysieren dabei den Status quo im Unternehmen und leiten konkrete Projektansätze ab. Eine betriebliche Patin oder ein betrieblicher Pate begleitet den Prozess; diese interne Betreuung gilt als wesentlicher Erfolgsfaktor.
Lern- und Kompetenzgewinne
Die Teilnehmenden erweitern ihr Wissen zu nachhaltiger Entwicklung, erlangen ein Verständnis für soziale und ökonomische Folgen betrieblicher Entscheidungen und lernen, Nachhaltigkeitsaspekte systematisch zu identifizieren. Zusätzlich entwickeln sie Fähigkeiten in Projektplanung, Präsentation und gruppenbezogener Kommunikation. Evaluationsergebnisse zeigen, dass ein Großteil die Lernziele eindeutig erreicht. Trotz vereinzelter Unsicherheiten hinsichtlich der zukünftigen betrieblichen Einbindung der Rolle wird das Programm insgesamt positiv bewertet.
Nutzen für Unternehmen
Unternehmen profitieren von einer gesteigerten Sensibilisierung der Belegschaft, einer breiteren Verteilung von Verantwortung sowie dem Zugang zu neuen Perspektiven und Ideen. Die entwickelten Projekte können sowohl im Kerngeschäft als auch im ergänzenden Nachhaltigkeitsengagement angesiedelt sein. Darüber hinaus erfüllt die Teilnahme Anforderungen der erweiterten Standardberufsbildpositionen im Ausbildungsbereich, die Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen beinhalten.
Projektbeispiele
Die erarbeiteten Projektideen lassen sich in drei Kategorien einordnen:
- Sensibilisierungs- und Kommunikationsprojekte
Interne Workshops, thematische Aktionstage, Podcasts, Quizformate, Informationsmaterialien oder Vernetzungsinitiativen. - Kerngeschäftsbezogene Projekte
Maßnahmen zur nachhaltigen Gestaltung des Versands, Vermeidung von Lebensmittelverschwendung, betriebliche Mobilitätsangebote (z. B. Deutschlandticket), Digitalisierungsschritte, Gründächer oder Frauenförderung. - Weitere Projekte mit ergänzendem Charakter
u. a. Unterstützungsaktionen für NGOs, Begrünungsmaßnahmen („Blumenwiesen“) oder interne Tauschangebote wie eine Bauschbörse.
Diese Vielfalt verdeutlicht, dass die SDGs einen breiten Handlungsspielraum eröffnen, in dem Unternehmen unabhängig von Branche und Ausgangslage geeignete Ansatzpunkte finden können.
Wirkmechanismen und Gelingensbedingungen
Zu den zentralen Wirkfaktoren gehören der dialogorientierte Ansatz, die Interaktivität in Workshops und Gruppenarbeiten sowie die Möglichkeit, persönliche Unsicherheiten und Fragen offen zu adressieren. Die Teilnehmenden erhalten Raum für Reflexion und erleben Selbstwirksamkeit, wenn ihre Ideen sichtbar werden und Anerkennung finden. Besonders die Abschlusspräsentation, idealerweise im Beisein der Geschäftsführung, erzeugt eine hohe Wertschätzung und stärkt die Motivation.
Weiterentwicklung des Programms
Neben der fortlaufenden Umsetzung wurde ein Train-the-Trainer-Ansatz etabliert, um das Programm auf mehrere Schultern zu verteilen und Multiplikator:innen auszubilden. Ergänzend besteht mit „CO2 Meet“ ein zeitlich begrenztes Mobilitätsprogramm, das kostenlose Kurzberatungen und Webinare zu Nachhaltigkeitsthemen anbietet.
Wer tiefer verstehen möchte, wie Unternehmen ihre Mitarbeitenden zu wirkungsvollen Gestalter:innen nachhaltiger Entwicklung machen können, findet im folgenden Impulsvortrag einen praxisnahen Einblick. Er zeigt anschaulich, wie aus ersten Ideen konkrete Veränderungen im Arbeitsalltag entstehen – und warum sich dieser Weg besonders für KMU lohnt.
Neugierig geworden? Hier geht es direkt zur Website: SDG-Scouts® – Schulung von Auszubildenden und Nachwuchskräften für Nachhaltigkeit – BAUM e.V.
Aufzeichnung: Haltung & Verhalten – SDG-Scouts – Karina Frochtmann
Material: Präsentation (Download)