Menschenrechtliche und umweltbezogene Sorgfalt betrifft zunehmend auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Zwar fallen sie in der Regel nicht unter das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LKSG), doch Kund:innen, die selbst gesetzlich verpflichtet sind, fordern zunehmend Nachweise über menschenrechtliche und ökologische Standards. Ein systematischer Umgang mit Risiken entlang der Lieferkette bietet Unternehmen nicht nur Orientierung, sondern auch wirtschaftliche Vorteile: Ressourcen können gezielt dort eingesetzt werden, wo die größten Risiken bestehen, und die eigene Position im Markt wird langfristig gestärkt. 

 

Relevanz und wirtschaftlicher Nutzen für KMU

Menschenrechtliche und umweltbezogene Sorgfalt ist ein Thema, das besonders für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) von wachsender Bedeutung ist. Zwar gilt das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LKSG) nur für Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten in Deutschland, doch viele KMU sind mittelbar betroffen. Kund:innen, die selbst unter das Gesetz fallen, verlangen häufig Auskünfte oder Nachweise von ihren Zulieferern. Für kleinere Unternehmen ist es daher wirtschaftlich sinnvoll, sich mit menschenrechtlicher und umweltbezogener Sorgfalt zu befassen. Eine strukturierte Herangehensweise ermöglicht, Risiken gezielt zu erkennen und zu priorisieren, anstatt Ressourcen ungerichtet einzusetzen. 

 

Orientierung an den UN-Leitprinzipien 

Die Grundlage für die Umsetzung menschenrechtlicher und umweltbezogener Sorgfalt bildet der Ansatz der Vereinten Nationen. Die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte legen den Fokus nicht auf rechtliche Compliance, sondern auf Verantwortung gegenüber den Betroffenen. Der Sorgfaltsprozess umfasst sechs Kernelemente: Strategie und Verankerung, Risikoanalyse, Präventions- und Abhilfemaßnahmen, Beschwerdeverfahren, Wirksamkeitskontrolle sowie Dokumentation und Berichterstattung. Zentrales Element ist dabei die Risikoanalyse, da alle weiteren Schritte darauf aufbauen. 

 

Unterstützungsangebot für Unternehmen 

Unternehmen in Deutschland können auf ein staatlich finanziertes Unterstützungsangebot zurückgreifen, das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert wird. Dieses Angebot umfasst vertrauliche Erst- und Verweisberatungen mit niedriger Einstiegsschwelle, individuelle Schulungen, Veranstaltungen sowie eine Reihe digitaler Tools.
Ein E-Learning-Format vermittelt Grundlagen zu Wirtschaft und Menschenrechten in etwa 45 Minuten und ist kostenlos zugänglich. Ergänzend stehen eine Informationsplattform mit Fallstudien und Hintergrundmaterialien sowie eine Mediathek mit Webinaren und FAQs zur Verfügung. 

 

Digitale Werkzeuge zur Umsetzung 

Zwei digitale Instrumente erleichtern insbesondere KMU den Einstieg in die praktische Umsetzung: der KMU-Kompass und der CSR-Risikocheck.
Der KMU-Kompass führt Unternehmen schrittweise durch den gesamten Sorgfaltsprozess – von der Strategieentwicklung über die Risikoanalyse bis zur Umsetzung und Bewertung von Maßnahmen. Für jedes Kernelement stehen Praxishilfen, Tools und weiterführende Informationen bereit.
Der CSR-Risikocheck ermöglicht eine erste, abstrakte Risikoanalyse. Unternehmen können Produkte oder Dienstleistungen mit einem Herkunftsland kombinieren und erhalten einen Bericht über mögliche Risiken in ihrem Geschäftsfeld oder ihrer Lieferkette. Das Tool bietet einen einfachen Einstieg und unterstützt das Verständnis für potenzielle Risikobereiche entlang der Wertschöpfungskette. 

 

Ablauf der Risikoanalyse 

Der Prozess der Risikoanalyse gliedert sich in drei aufeinanderfolgende Schritte: 

  1. Identifizierung abstrakter Risiken:
    Zunächst werden allgemeine potenzielle Risiken in Unternehmen und Wertschöpfungsketten ermittelt. Grundlage sind Produktportfolio, bekannte Wertschöpfungsstufen und Herkunftsländer. Ziel ist es, mögliche Risikofelder auf einer allgemeinen Ebene zu erfassen. 
  2. Konkretisierung:
    Anschließend wird das Risikobild verfeinert. Dazu werden interne Informationen aus Audits, Lieferantenbewertungen, Befragungen und gegebenenfalls Rückverfolgbarkeitsdaten herangezogen. Im Fokus stehen Wahrscheinlichkeiten potenzieller Verletzungen, nicht tatsächliche Schadensfälle. 
  3. Bewertung und Priorisierung:
    Die Bewertung erfolgt nach zwei Kriterien: Schwere (mit den Unterkategorien Ausmaß, Umfang und Unumkehrbarkeit) und Eintrittswahrscheinlichkeit. Die Schwere wird dabei höher gewichtet. Das Ergebnis der Bewertung kann in einer sogenannten Heatmap visualisiert werden, die Risiken über Wertschöpfungsstufen und Themenfelder – wie Arbeitsbedingungen, Vereinigungsfreiheit, Zwangsarbeit, Biodiversität oder Wasserverbrauch – darstellt. Diese Übersicht bildet die Grundlage, um Maßnahmen gezielt zu planen und Prioritäten festzulegen.

 

Lieferkettenfokus und Priorisierung 

Das LKSG verpflichtet Unternehmen zur Risikoanalyse insbesondere in der vorgelagerten Lieferkette. Dabei stehen unmittelbare Zulieferer mit vertraglicher Beziehung im Vordergrund. Mittelbare Zulieferer werden berücksichtigt, wenn hinreichende Hinweise auf Risiken bestehen. Die nachgelagerte Lieferkette ist vom Gesetz ausgenommen. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die größten Risiken häufig in den tieferen Stufen der Wertschöpfung, beispielsweise beim Rohstoffabbau, entstehen. 

 

Praktischer Nutzen für KMU 

Die beschriebenen Ansätze ermöglichen einen pragmatischen Einstieg in die menschenrechtliche und umweltbezogene Sorgfalt. 

  • Die angebotenen Beratungen und Tools sind niedrigschwellig und praxisorientiert. 
  • Unternehmen können Kundenanforderungen schneller beantworten und ihre Lieferketten transparenter gestalten. 
  • Durch klare Priorisierung werden Ressourcen gezielt auf die wichtigsten Risiken konzentriert. 
  • Regelmäßige Wirksamkeitsprüfungen sichern die Qualität der Maßnahmen und erhöhen die Glaubwürdigkeit gegenüber Geschäftspartnern.

 

Fazit 

Ein strukturierter Umgang mit menschenrechtlicher und umweltbezogener Sorgfalt stärkt die Wettbewerbsfähigkeit von KMU. Die Verbindung aus klaren Leitprinzipien, praktischen Tools und staatlicher Unterstützung ermöglicht es Unternehmen, Risiken in ihren Lieferketten realistisch einzuschätzen und zielgerichtet zu handeln. Dabei steht nicht die Erfüllung gesetzlicher Pflichten im Vordergrund, sondern die Entwicklung eines verantwortungsvollen und zukunftsfähigen Wirtschaftens. 

 

Wer verstehen möchte, wie Unternehmen menschenrechtliche und umweltbezogene Sorgfalt praxisnah und effektiv umsetzen können, findet im folgenden Impuls einen klaren Leitfaden. Schritt für Schritt wird gezeigt, wie Risiken entlang der Lieferkette identifiziert, bewertet und priorisiert werden – mit besonderem Blick auf die Bedürfnisse kleiner und mittlerer Unternehmen. Der Vortrag verdeutlicht, dass verantwortungsvolles Handeln nicht nur gesetzliche Anforderungen vorbereitet, sondern auch strategische Vorteile bringt: mehr Transparenz, geringere Risiken und stärkere Kundenbeziehungen.  

Folgendes Tool und Angebot wird hier vorgestellt: Helpdesk Wirtschaft und Menschenrechte | Agentur für Wirtschaft & Entwicklung 

Oder nutze direkt den kostenlosen online CRS Risiko-Check CSR Risiko-Check | Agentur für Wirtschaft & Entwicklung 

 

Hinweis: Die gesetzlichen Vorgaben zum Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz sowie die damit verbundenen Berichtspflichten und europäischen Entwicklungen befinden sich im Wandel. Inhalte und Anforderungen können sich daher ändern und sollten regelmäßig auf Aktualität geprüft werden. 

 

Aufzeichnung: Tool- Röntgenblick für Deine Lieferkette von David Pyka 

Material: Präsentation (Download)