Ein Berater, der selbst keinen Nachhaltigkeitsbericht hat – das ist eine schwache Position. Die Wirtschaftsförderung Schleswig-Holstein (WTSH) hat diesen Widerspruch ernst genommen. 2024 veröffentlichte sie ihren ersten eigenen Bericht nach dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) – erarbeitet im eigenen Haus, ohne externe Agentur. Was dabei herauskam, ist mehr als ein gutes Beispiel für Glaubwürdigkeit: Es ist eine Anleitung, wie KMU mit klaren Strukturen und vorhandenen Mitteln anfangen können.

Was die WTSH macht – und warum das für KMU relevant ist

Die WTSH betreibt gemeinsam mit dem Transfer Hub Schleswig-Holstein die Transferstelle „Klimaneutrales Wirtschaften“ – ein regionales Beratungsangebot für Betriebe auf dem Weg zur Klimaneutralität. Das Angebot ist bewusst niedrigschwellig: Vor-Ort-Gespräche, Treibhausgasbilanzierung mit EcoCockpit, Informationsveranstaltungen. Wer anderen erklärt, wie Nachhaltigkeitsberichterstattung funktioniert, muss zeigen können, dass er es selbst tut. Das war der Ausgangspunkt.

Drei Dinge, die KMU vom WTSH-Ansatz direkt mitnehmen können

1. Einfache Projektstruktur reicht. Die WTSH hat keine Spezialsoftware eingesetzt. Klare Zuständigkeiten, ein Zeitplan, Gantt-Diagramme in Excel, Microsoft Teams für die Abstimmung – das waren die Werkzeuge. Keine externe Projektsteuerung, keine komplizierte IT. Alles Dinge, die auch ein mittelständischer Betrieb schon hat.

2. Erst messen, dann Ziele setzen. Bevor Maßnahmen beschlossen wurden, stand eine systematische Bestandsaufnahme. Das klingt selbstverständlich – wird in der Praxis aber oft übersprungen. Die Folge: Maßnahmen werden umgesetzt, aber Fortschritte lassen sich nicht messen.

3. Der DNK ist ein realistischer Einstieg. Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex wurde für Unternehmen entwickelt, die strukturiert einsteigen wollen – ohne sofort den CSRD-Apparat aufzusetzen. 20 Kriterien, freiwillig, skalierbar, anerkannt.

Was der Prozess gekostet hat – und was er gebracht hat

Der größte Kostenfaktor war Zeit: Das interne Team hat Kapazitäten aufgebaut, Prozesse dokumentiert und Daten zusammengetragen. Was entstanden ist, ist kein Hochglanzprodukt – sondern ein nachvollziehbarer Beleg dafür, wie das Unternehmen arbeitet und wohin es will. Genau das schafft Glaubwürdigkeit.

Für wen das Modell passt

Nicht jedes KMU muss sofort berichten. Aber wer Kunden hat, die danach fragen – oder Aufträge von Unternehmen, die selbst berichten müssen – kommt früher oder später nicht drum herum. Der WTSH-Ansatz zeigt: Es geht ohne Berater und ohne großes Budget. Was es braucht, ist Struktur und der Wille, anzufangen.

Das connectSHub-Programm begleitet KMU in Schleswig-Holstein beim Einstieg ins Nachhaltigkeitsmanagement. Zum Programm 2026.


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