Unternehmen – insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) – können Mitarbeitende wirksam in Klimaschutz und Energiewende einbinden, wenn sie auf niedrigschwellige, beteiligungsorientierte und wirtschaftlich sinnvolle Formate setzen. Acht etablierte Ansätze zeigen, wie durch Vorschlagswesen, Klimabotschafter:innen, Umweltteams, Wettbewerbe oder Belegschaftsenergiegenossenschaften konkrete Energie- und Kosteneinsparungen, mehr Beteiligung und ein langfristiger Wandel in Haltung und Verhalten erreicht werden können.
Die wirksame Einbindung von Mitarbeitenden in Klimaschutz und Energiewende stellt eine zentrale Herausforderung für Unternehmen dar. Dies gilt besonders für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die praxisnahe und ressourcenschonende Instrumente benötigen. Verschiedene praxiserprobte Formate zeigen, dass Beteiligung, niedrigschwellige Mitwirkung und sichtbare Effekte maßgeblich dazu beitragen, ökologische und ökonomische Fortschritte zu erzielen. Der wirtschaftliche Nutzen bildet dabei einen durchgängigen Bezugspunkt: Energie- und Ressourceneinsparungen, Effizienzgewinne und neue Beteiligungsmodelle erzeugen spürbare Mehrwerte für Unternehmen und Belegschaft.
Energie- und Kosteneinsparungen lassen sich bereits durch einfache Verhaltensänderungen erreichen. Ein Unternehmen verzeichnete beispielsweise eine Stromreduktion von bis zu 22 % in einem Gebäude, was sich pro Mitarbeitender Person auf rund 50 € Einsparung pro Jahr beziffern ließ. Auch Anreizsysteme im betrieblichen Vorschlagswesen tragen zur Umsetzung bei, etwa durch die Beteiligung an Jahresersparnissen oder Zusatzpunkte für soziale und ökologische Ideen. Weitere wirtschaftliche Effekte ergeben sich aus Beteiligungsmodellen wie Belegschaftsenergiegenossenschaften, die Investitionslasten für Unternehmen reduzieren und Mitarbeitenden Dividenden ermöglichen. Zusätzlich steigern strukturierte Umweltgremien und Wiederverwendungsinitiativen die betriebliche Effizienz.
Die Ausgestaltung dieser Formate folgt dem Ziel, einen langfristigen Wandel in Haltung und Verhalten zu unterstützen. Acht zentrale Formate haben sich dabei als besonders wirksam erwiesen:
1. Betriebliches Vorschlagswesen
Das Vorschlagswesen umfasst nicht technische Erfindungen, sondern Ideen mit ökologischer, sozialer oder effizienzsteigernder Wirkung. Beispiele zeigen, wie niedrigschwellige Einreichungsmöglichkeiten – etwa durch einen „grünen Briefkasten“ – die Beteiligung erhöhen. Faire Bewertungssysteme, wie ein Payback-Modell mit Beteiligung an Einsparungen oder Zusatzpunkte für schwer messbare Wirkungen, stärken die Motivation. Die aktive Mitarbeit an der Umsetzung fördert zusätzlich Ownership.
Praxisbeispiele:
- WALA Heilmittel: In den Postverteilerräumen wurden grüne Briefkästen aufgestellt. Mitarbeitende können dort formlos – auch anonym – Ideen zu Umweltthemen auf Zetteln einwerfen. So wird die Hemmschwelle zur Beteiligung gesenkt.
- Barmenia: Einreichende erhalten 20 % der geschätzten Jahresersparnis als Prämie. Falls keine Ersparnis berechnet werden kann, vergibt ein interner Ausschuss sogenannte „grüne Zusatzpunkte“ – ein internes Bonussystem.
- GLS Bank: Die Ideengeber:innen bleiben in der Regel aktiv an der Umsetzung ihrer Vorschläge beteiligt – statt die Idee an Fachabteilungen „abzugeben“. Das stärkt Identifikation & Motivation.
Unterliegt rechtlichen Regelungen, wie z. B.:
§ 87 BetrVG – Mitbestimmungsrecht
ArbNErfG – Arbeitnehmererfindungsgesetz
2. Klimabotschafter:innen
Klimabotschafter:innen agieren als motivierende Multiplikator:innen. Sie sensibilisieren Kolleg:innen, vermitteln Wissen und fördern bewusstes Verhalten. Ein Unternehmen mit rund 400 Mitarbeitenden setzte hierzu 14 Personen ein, die in kleinen Teams aktiv wurden.
Praxisbeispiel:
- hanseWasser Bremen: 14 Botschafter:innen betreuen kleine Teams und organisieren Workshops oder Infoaktionen zu Themen wie Ernährung oder Mobilität. Ziel ist, Klimaschutz auf Augenhöhe und mit Spaß in die Belegschaft zu tragen.
3. Green Teams bzw. Umweltteams
Interdisziplinäre Umweltteams können dauerhaft oder projektbezogen arbeiten. Sie vereinen verschiedene Hierarchieebenen und Fachbereiche. Neben operativen Teams, die monatlich Maßnahmen umsetzen, existieren strategische Gremien, die Prioritäten, Ziele und Budgets festlegen und das Vorschlagswesen integrieren.
Praxisbeispiel:
- WALA Heilmittel:
Zwei Gremien sorgen für effektive Umsetzung:
- Der Strategische Umweltkreis (SUK) trifft sich 3x jährlich, definiert Umweltziele und stellt Budget bereit. Teilnehmende: Geschäftsleitung, Ressortverantwortliche, Umweltbeauftragte.
- Der Operative Umweltkreis (OUK) setzt diese Ziele um. 15 Mitarbeitende aus verschiedenen Abteilungen treffen sich monatlich, bewerten Vorschläge und steuern Projekte.
4. Belegschaftsenergiegenossenschaften
Diese Genossenschaften ermöglichen Mitarbeitenden, selbst in erneuerbare Energietechnik – etwa Photovoltaik auf Firmendächern – zu investieren. Das Unternehmen stellt Flächen zur Verfügung und erhält Zugang zu Strom, während Genossenschaftsmitglieder Dividenden entsprechend ihrer Anteile erhalten. Beispiele zeigen langfristig stabile Renditen von über 2 %.
Praxisbeispiel:
- Volkswagen Emden: Seit 2008 betreibt eine Mitarbeitenden-Genossenschaft eine große PV-Anlage auf dem Hallendach. Der erzeugte Strom wird eingespeist, die Mitglieder erhalten eine Dividende von über 2 %.
5. Wettbewerbe und Challenges
Kurzzeitige Wettbewerbe erhöhen Sichtbarkeit und Motivation. In einem bekannten Beispiel traten zwei Gebäude eines Unternehmens hinsichtlich ihres Stromverbrauchs gegeneinander an, was zu einer Reduktion von 22 % führte. Die Einsparungen wurden anschaulich visualisiert, etwa durch eine symbolische „E-Auto-Reise“, sowie durch die transparente Darstellung finanzieller Vorteile pro Mitarbeitender Person.
Praxisbeispiel:
- Otto Group: Zwei Bürogebäude traten beim Stromsparen gegeneinander an. Ergebnis: 22 % Ersparnis – visualisiert als virtuelle E-Autofahrt von Hamburg nach Hongkong. Die errechneten Einsparungen beliefen sich auf 50 € pro Mitarbeitendem im Jahr.
6. CSR- und Gamification-Apps
Apps, die Gamification und gezielte Kommunikation nutzen, regen zu alltäglichen klimarelevanten Handlungen an. Typische Elemente sind Challenges zu Mobilität, Ernährung, Energie oder Abfall sowie Lernmodule. Diese Anwendungen setzen auf Nudging, das heißt auf leichtes Anstoßen zu erwünschtem Verhalten.
Beispiele für Apps:
- Sustayn: Plattform für Firmen mit Wettbewerben & Community-Charakter
- KlimaKarl: Messenger-gestützte Micro-Learning Challenges
- Greenify.work: Betriebliches Klimamanagement mit Gamification
- Ducky: Echtzeit-Challenges mit CO2-Feedback.
- Planeed: Tipps und Ziele für klimafreundliches Verhalten
Mehr erfahren:
Artikel zu Gamification-Apps (Haufe)
7. Aktionswochen und Formate zur Bewusstseinsbildung
Workshops, Vorträge, Filmformate oder thematische Kantinenaktionen stärken regelmäßig das Bewusstsein der Mitarbeitenden. Ein Praxisbeispiel zeigt, dass die zentrale Sammlung und Wiederverwendung von Büromaterialien positive ökologische und ökonomische Nachwirkungen über Jahre haben kann.
Praxisbeispiel:
- WALA Heilmittel: In einer unternehmensweiten Aktion wurden ungenutzte Büromaterialien eingesammelt und zentral gelagert. Seither werden sie bei Bedarf entnommen – das spart Ressourcen und wirkt bis heute nach.
8. Einbindung junger Zielgruppen
Auszubildende übernehmen Klimaschutzaktivitäten und erwerben gleichzeitig Projektmanagementkompetenzen. Ein Beispiel ist die Entwicklung einer Mitfahr-App durch Auszubildende eines Softwareunternehmens.
Praxisbeispiele:
- hanSEA Software GmbH: Azubis aus der IT entwickelten eine interne Mitfahr-App, um CO₂ im Pendelverkehr zu reduzieren.
- GLS Bank: Forum „Was uns bewegt“ – hier stellen Mitarbeitende eigene Ideen vor und setzen sie eigenverantwortlich um.
Für KMU bieten diese Formate besondere Vorteile: Sie ermöglichen einen einfachen Einstieg, kombinieren kurzfristige Wirkungen mit sichtbaren Einsparungen und fördern Beteiligung statt rein top-down-orientierter Steuerung. Finanzielle Hebel – etwa über Einsparungen, Prämien oder Dividenden – entstehen ohne zwingend hohe Anfangsinvestitionen. Insgesamt zeigt sich, dass pragmatische, beteiligungsorientierte Ansätze wirksame Schritte im Klimaschutz ermöglichen und langfristige Veränderungsprozesse unterstützen.
Welches dieser Formate passt zu Euch – oder was wollt Ihr ausprobieren? Findet es heraus: (Welches_Format_passt_zu_uns.pdf )
Die dargestellten Formate zeigen, welches Potenzial in beteiligungsorientiertem Klimaschutz liegt. Entscheidend bleibt jedoch, wie Unternehmen diese Ansätze im eigenen Alltag wirksam umsetzen können.
Der folgende Impuls gibt hierzu konkrete Orientierung: Er vertieft zentrale Beispiele, zeigt praktische Umsetzungsschritte und macht sichtbar, wie nachhaltige Veränderungen gemeinsam mit Mitarbeitenden entstehen können.
Hinweis: Dieser Text wurde vom Redaktionsteam connectSHub mit KI-Unterstützung erstellt und inhaltlich geprüft. Grundlage des Inhalts ist das Transkript des Impulses aus unserer Veranstaltung:
Aufzeichnung vom 06.03.2025: Formate im Unternehmensalltag – Lindsey Jackson
Material: Präsentation (Download)