Hela Gewürzwerk zeigt, wie man die doppelte Wesentlichkeit praktisch angeht – mit interdisziplinären Workshops, klarer Methodik und starker Einbindung der Inhaberschaft. Der Prozess stärkt nicht nur das Nachhaltigkeitsmanagement, sondern bringt auch wirtschaftliche Chancen zutage – von resilienteren Lieferketten bis zu neuen Geschäftsmodellen wie regionalem Gewürzanbau.
Ihr fragt Euch jetzt, ob das Thema überhaupt für euer Unternehmen geeignet ist und welche Vorteile Ihr davon habt?
Der Praxisbericht von Hela richtet sich an mittelständische Unternehmen, die sich auf die CSRD- und ESRS-Anforderungen vorbereiten oder ihren Nachhaltigkeitsprozess professionalisieren möchten.
Der Nutzen liegt auf der Hand:
- Rechtssicherheit & Effizienz durch klar strukturierte Wesentlichkeitsanalyse.
- Wettbewerbsvorteil durch glaubwürdige Nachhaltigkeitsstrategie und Lieferkettentransparenz.
- Kostenersparnis & Innovation durch effizientere Ressourcen- und Energieprozesse.
- Strategische Weitsicht: Nachhaltigkeit wird Teil der Unternehmensstrategie – nicht Anhängsel des CSR-Teams.
Ausgangslage: Tradition trifft Generationenwechsel
Hela, ein inhabergeführtes Familienunternehmen mit Hauptsitz in Ahrensburg, beschäftigt rund 1.000 Mitarbeitende weltweit und produziert Würzungen, Marinaden, Saucen und Gewürze für Industrie, Gastronomie und Handel. Nach einem Generationswechsel in der Geschäftsführung – die vierte Generation ist nun aktiv – wurde Nachhaltigkeit strategisch neu aufgestellt.
Die Leitfrage:
„Was müssen wir tun, damit unser 120 Jahre altes Unternehmen auch in den nächsten 120 Jahren erfolgreich bleibt?“
Diese Perspektive führte direkt zu Themen wie Digitalisierung, Klimaschutz und nachhaltige Lieferketten.
Globale Lieferketten mit ESG-Fokus
Hela bezieht Rohstoffe wie Pfeffer, Zimt oder Kümmel überwiegend aus Südostasien und Nordafrika – etwa aus Vietnam, Indien, Marokko oder Ägypten.
Die Wertschöpfungskette reicht von Kleinbauern über Exporteure bis zu europäischen Importeuren. Diese Komplexität prägt die Nachhaltigkeitsbewertung: Themen wie Menschenrechte, Transportemissionen und Qualitätsstandards sind ebenso relevant wie Klimaanpassung oder Verfügbarkeit von Rohstoffen.
Der Weg zur Wesentlichkeit – strukturierter Prozess mit Tiefgang
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Startpunkt & Scope
Für die Wesentlichkeitsanalyse 2024/2025 betrachtete Hela zunächst die deutsche GmbH als Basis, schloss aber den internationalen Konzern mit ein. Damit erfüllt das Unternehmen alle Kriterien der CSRD-Pflicht (Bilanzsumme > 25 Mio. €, Umsatz > 50 Mio. €, > 250 Mitarbeitende).
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Workshopbasiertes Vorgehen
Ein zweitägiger Workshop mit 30 Teilnehmenden aus allen Unternehmensbereichen bildete das Herzstück des Prozesses.
Dabei waren Vertreter:innen aus Produktion, IT, HR, Einkauf, Strategie, Digital Unit und Geschäftsführung – bewusst kombiniert aus operativer und strategischer Perspektive.
Gemeinsam wurden Einflüsse, Risiken und Chancen (IROs) identifiziert, bewertet und priorisiert.
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Bewertung & Matrix
Auf Basis von Schadenshöhe, Eintrittswahrscheinlichkeit, Behebbarkeit und Stakeholder-Betroffenheit entwickelte das Team eine Wesentlichkeitsmatrix.
Die Ergebnisse wurden mit Fachabteilungen abgestimmt und in Inside-out (Impact) und Outside-in (finanzielle Relevanz) bewertet – ein direkt anschlussfähiger Prozess an die ESRS-Systematik.
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Stakeholder-Dialog & Softwareeinsatz
Hela legte eine umfassende Stakeholder-Karte mit 60–70 Gruppen an, von Banken und Speditionen über Lieferanten bis zu Mitarbeitenden.
Für 2025 ist ein strukturierter Dialog mit Schlüsselgruppen geplant – gesteuert über ein eigenes ESG-Softwaresystem.
Erkenntnisse & Learnings
Der Prozess brachte deutliche Veränderungen:
- Sensibilisierung: Nachhaltigkeit wurde in Produktion, Einkauf und Management als Zukunftsthema verankert.
- Strukturelle Integration: Nachhaltigkeits- und Unternehmensstrategie werden zusammengeführt, ebenso Nachhaltigkeitsbewertung und Risikomanagement.
- Datenqualität & Prüfbarkeit: Einheitliche Definitionen und Scoringsysteme erleichtern Wirtschaftsprüfung und Berichterstattung.
- Innovationsimpulse: Aus Klimarisiken (z. B. Dürre in Südeuropa) entstehen neue Geschäftsfelder wie regionaler Gewürzanbau unter kontrollierten Bedingungen.
Herausforderungen und nächste Schritte
Intern: Widerstände, Datenschutzhürden und Ressourcenbindung verlangsamten den Prozess. Extern: Fehlende Rechtssicherheit und unklare Prüfstandards bleiben Stolpersteine.
Trotzdem geht Hela 2025 in die Umsetzung – mit der Zielsetzung, die Wesentlichkeitsmatrix jährlich zu aktualisieren, die Strategie mit Kennzahlen zu unterlegen und ab Q4/2025 den ersten CSRD-konformen Bericht zu veröffentlichen.
Fazit
Der Praxisfall Hela zeigt, dass Nachhaltigkeitsreporting weit über Compliance hinausgeht.
Eine fundierte Wesentlichkeitsanalyse schafft Struktur, Vertrauen und Innovationskraft. Wer früh startet, gewinnt – ökologisch, sozial und ökonomisch.
Hinweis: Dieser Text wurde vom Redaktionsteam connectSHub mit KI-Unterstützung erstellt und inhaltlich geprüft. Grundlage des Inhalts ist das Transkript des Impulses aus unserer Veranstaltung:
Aufzeichnung vom 09.01.2025: Reporting – Praxisbeispiel: Hela Gewürzwerk Wesentlichkeitsanalyse – Lars Oehme