Manche Unternehmen beschäftigen sich mit Nachhaltigkeit, weil sie müssen. Hela aus Ahrensburg hat sich eine andere Frage gestellt: Was braucht ein 120 Jahre altes Familienunternehmen, um die nächsten 120 Jahre zu überleben? Das ist ein anderer Ausgangspunkt – und er führt zu anderen Ergebnissen.

Wer Hela ist – und warum der Fall für KMU relevant ist

Hela produziert Würzungen, Marinaden, Saucen und Gewürze für Industrie, Gastronomie und Handel. Rund 1.000 Mitarbeitende weltweit, Rohstoffe aus Vietnam, Indien, Marokko und Ägypten – eine Lieferkette, die von Kleinbauern bis zum europäischen Importeur reicht. Nach einem Generationswechsel übernahm die vierte Inhabergeneration das Unternehmen und stellte eine einfache Frage: Was gibt es in unserem Betrieb, das wir so nicht weitermachen können – und was wollen wir wirklich weitergeben?

Kein CSRD-Druck, kein Konzernauftrag. Sondern Unternehmerperspektive über den eigenen Zeithorizont hinaus.

Was Nachhaltigkeitsstrategie in einem Familienunternehmen bedeutet

Bei Hela bedeutet Strategie nicht, ein Dokument zu schreiben. Es bedeutet, echte Entscheidungen zu treffen: Welche Lieferanten stehen für faire Bedingungen? Wo sind die Risiken in der Beschaffungskette – und wie reduzieren wir sie? Wie stellen wir sicher, dass unsere Produktion in zehn Jahren noch bezahlbar und regulatorisch zulässig ist?

Drei Lernpunkte aus dem Hela-Ansatz, die auf andere KMU übertragbar sind:

  • Langfristperspektive statt Quartalsdenken. Familienunternehmen haben hier einen natürlichen Vorteil: Sie denken in Generationen, nicht in Jahresberichten. Das schafft Spielraum für Investitionen, die sich erst mittel- bis langfristig rechnen.
  • Lieferkette als Risiko und Verantwortung zugleich. Wer auf Rohstoffe aus Ländern mit schwacher Infrastruktur angewiesen ist, trägt Verantwortung – und hat gleichzeitig ein wirtschaftliches Interesse daran, stabile Lieferbeziehungen aufzubauen. Beides geht zusammen.
  • Anfangen mit dem, was man kennt. Hela hat nicht mit einer großen Strategie angefangen, sondern mit der Frage: Wo liegen unsere größten Hebel? Das Ergebnis: Fokus auf Rohstoffbeschaffung und Produktionsprozesse – die Bereiche mit den größten Auswirkungen.

Was andere KMU aus diesem Beispiel mitnehmen können

Die entscheidende Frage ist nicht: „Was müssen wir tun?“ Sondern: „Was wollen wir in zehn Jahren über unser Unternehmen sagen können?“ Wer diese Frage ehrlich beantwortet, hat einen Ausgangspunkt für eine Nachhaltigkeitsstrategie, die nicht aufgesetzt wirkt – sondern zum Unternehmen passt.

Das funktioniert in einem Gewürzwerk mit 1.000 Mitarbeitenden. Es funktioniert auch in einem Handwerksbetrieb mit 20.

Das connectSHub-Programm unterstützt KMU in Schleswig-Holstein dabei, eigene Ansätze zu entwickeln – mit Praxisbeispielen aus der Region und konkreten Methoden. Zum Programm 2026.


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