Wie wird Nachhaltigkeit im Unternehmen gelebter Alltag?
Der Beitrag zeigt, wie Unternehmen durch die Verbindung von Haltung und Verhalten ihre Nachhaltigkeitsziele wirksam erreichen. Mit alltagstauglichen Maßnahmen – von Nudges über technische Unterstützung bis hin zu klaren Erwartungen und Vorbildern – werden Mitarbeitende zu aktiven Teilhaber*innen nachhaltiger Entwicklung. Das stärkt Resilienz, Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitgeberattraktivität – und macht nachhaltiges Handeln einfach, wirksam und selbstverständlich.
Haltung, Verhalten – und wie Nachhaltigkeit im Unternehmen lebendig wird
Unternehmen, die ihre Nachhaltigkeitsziele wirksam erreichen wollen, stehen vor der Aufgabe, diese Ziele mit Leben zu füllen und Mitarbeitende zu Mitdenker*innen und Mithandelnden zu machen. Eine solche Einbindung stärkt nicht nur die Zielerreichung selbst, sondern auch Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit. Zudem können Risiken und Chancen früher erkannt werden, und die Arbeitgeberattraktivität steigt – ein Vorteil gerade im Fachkräftemangel. Die Auseinandersetzung mit nachhaltigem Handeln kann dabei als Beitrag zur Personal- und Organisationsentwicklung gesehen werden.
Im Zentrum dieses Ansatzes steht die Verbindung von Haltung (Mindset) und Verhalten (konkretes Tun). Mitarbeitende sollen zu Teilhaber*innen einer nachhaltigen Unternehmensentwicklung werden, die sich auf Augenhöhe um die beste Lösung bemühen und sich gemeinsam einer Sache verpflichtet fühlen.
Angestrebte Wirkungen
Die beschriebenen Maßnahmen zielen darauf ab,
- die Nachhaltigkeitsleistung zu steigern und gesetzte Ziele zu erreichen,
- Personal- und Organisationsentwicklung voranzubringen,
- soziale und ökologische Risiken, Trends und Gelegenheiten frühzeitig zu erkennen und dadurch Resilienz sowie Wettbewerbsfähigkeit zu stärken,
- und die Arbeitgeberattraktivität zu erhöhen – ein Aspekt, der in Befragungen für viele Beschäftigte und Jobsuchende eine große Rolle spielt.
Typische Hürden
Auf dem Weg zu wirksamem nachhaltigem Verhalten im Unternehmensalltag zeigen sich mehrere wiederkehrende Herausforderungen:
- tief verankerte Gewohnheiten und das verbreitete Gefühl von Verzicht im Nachhaltigkeitskontext,
- Belohnungserwartungen und eine starke extrinsische Motivation, die intrinsische Motivation verdrängen können,
- Glaubwürdigkeitsdefizite seitens der Führung, etwa wenn Nachhaltigkeit als instrumentell wahrgenommen wird,
- Bürokratisierung durch Verpflichtungen, etwa durch europäische Vorgaben oder das Lieferkettengesetz, die Freiräume reduzieren,
- geringe Selbstwirksamkeitserwartung („Mein Beitrag ist zu klein“),
- sowie Abstumpfung durch dauernde Alarmbilder und gesellschaftliche Gegenwinde.
Theoretischer Rahmen
Zur Einordnung werden zwei etablierte verhaltenswissenschaftliche Ansätze herangezogen.
Theorie des geplanten Verhaltens:
Verhalten folgt einer konkreten Verhaltensabsicht, etwa „ab morgen mit dem Fahrrad zur Arbeit“. Diese Absicht entsteht aus
- der Einstellung zum Verhalten,
- der subjektiven Norm, also der Frage, was wichtige Bezugspersonen erwarten,
- sowie der wahrgenommenen Verhaltenskontrolle, also der Einschätzung, ob das Verhalten umsetzbar erscheint.
Goal-Framing-Theorie:
Normative Ziele wie der Umweltschutz stehen im Wettbewerb mit hedonistischen Zielen (Bequemlichkeit, Genuss) und gewinnorientierten Zielen (Ressourcen, Karriere). Damit normative Ziele wirken können, müssen sie sichtbar gehalten und mit den anderen Zieltypen in Einklang gebracht werden.
Bewährte Praxis
Für die Umsetzung nachhaltigen Verhaltens im Unternehmen werden drei Zugänge unterschieden:
- Zwang (Verbote) – als mögliche, jedoch zurückhaltend zu nutzende Option,
- geldwerte Anreize (extrinsische Motivation) – sinnvoll, aber dosiert einzusetzen,
- Stärkung von Haltungen – der zentrale und wirksamste Hebel.
Im Mittelpunkt stehen dabei alltagstaugliche Maßnahmen wie:
- positive Zukunftsbilder und klare Erwartungen, die Zuversicht stiften,
- Vorbilder und Anerkennung, die Teilhaberschaft erfahrbar machen,
- Nudges wie Hinweise zur Treppennutzung,
- technische Unterstützung, beispielsweise durch Bewegungsmelder,
- Defaults wie doppelseitiger Druck als Grundeinstellung,
- sowie konkrete Angebote anstelle von Geboten, etwa die Unterstützung durch das Unternehmen bei JobRad oder Pedelecs.
Bedeutung für kleine und mittlere Unternehmen
Gerade für kleine und mittlere Unternehmen sind niedrigschwellige und unmittelbar umsetzbare Schritte von Vorteil. Nudges, Defaults und einfache technische Lösungen erfordern keine weitreichenden Grundsatzentscheidungen, sondern ermöglichen direkt sichtbare Verbesserungen im Alltag. Solche Maßnahmen lassen sich rasch ausprobieren und an die eigenen Rahmenbedingungen anpassen.
Fazit
Nachhaltigkeit wird dann lebendig, wenn sie intern als Haltung und gemeinsames Tun verstanden wird. Aus Zielen entsteht gelebte Praxis, wenn konkrete Absichten gefördert, Wirkung sichtbar gemacht und Rahmenbedingungen geschaffen werden, die erwünschtes Verhalten leicht und selbstverständlich machen.
Wer verstehen möchte, wie diese Prinzipien im Unternehmensalltag konkret wirken können und welche kleinen Schritte große Veränderungen anstoßen, findet im anschließenden Impulsvideo wertvolle Anregungen. Er zeigt praxisnah, wie aus Haltung handlungsleitende Routinen werden – und wie Unternehmen Rahmenbedingungen schaffen, in denen nachhaltiges Verhalten leichtfällt, Motivation wächst und Mitarbeitende zu echten Mitgestalter*innen werden.
Als kleinen Vorgeschmack findet Ihr im angehängten PDF 7 bewährte Aktivierungsmaßnahmen. ( 7_Aktivierungen.pdf )
„Veränderung braucht keine Revolution – nur die richtige Absicht.“ – Holger Petersen
Jetzt seid Ihr gefragt:
- Wie könnt Ihr in eurem Unternehmen Teilhabe an Nachhaltigkeit konkret stärken?
- Wo liegen die größten Hürden – und welche Formate oder Impulse könnten helfen, sie zu überwinden?
Hinweis: Dieser Text wurde vom Redaktionsteam connectSHub mit KI-Unterstützung erstellt und inhaltlich geprüft. Grundlage des Inhalts ist das Transkript des Impulses aus unserer Veranstaltung:
Aufzeichnung vom 06.03.2025: Einführung Haltung & Verhalten – Prof. Dr. Holger Petersen
Material: Präsentation (Download)