Zirkularität zeigt, dass nachhaltiges Wirtschaften weit mehr ist als Upcycling oder kreative Einzelprojekte. Historische Konzepte, systemische Produktwelten wie die Carrera-Bahn, etablierte Verbrauchsmodelle aus der Druckerindustrie oder digitale Plattformen wie Momox verdeutlichen:
Wer Produkte, Services und digitale Lösungen intelligent kombiniert, kann Kundenbindung, Planbarkeit, Skalierbarkeit und Ressourceneffizienz miteinander vereinen.
Gerade für KMU liegt hierin ein großes Potenzial – wirtschaftlich wie strategisch.
Für wen eignet sich das Thema und welche wirtschaftlichen Vorteile ergeben sich?
Zirkuläre Geschäftsmodelle sind besonders relevant für KMU, die ihr Unternehmen robuster, effizienter und attraktiver aufstellen wollen. Sie ermöglichen unter anderem:
- geringere Material- und Rohstoffkosten,
- längere Produktlebensdauern,
- planbare, wiederkehrende Einnahmen,
- stärkere Kundenbindung an ein eigenes System,
- neue digitale Serviceangebote,
- Geschäftsmodelle, die weniger vom Produktabsatz und stärker von Nutzung, Service und Wiederverwertung leben.
So entsteht ein Umfeld, in dem KMU innovative Ansätze testen, Risiken reduzieren und gleichzeitig nachhaltige Werte aufbauen können.
Einstieg: Zirkularität beginnt oft im Kleinen
Eine Sitzbank aus Europaletten oder alte Nachttische, die zu Hochbeeten werden ist klassisches Repurpose.
Die zugrunde liegende Frage lautet: Was kann aus Dingen entstehen, die scheinbar nicht mehr gebraucht werden?
Doch so charmant diese Beispiele sind, Zirkularität ist keine Bastelidee, sondern die strategische Frage, wie daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell entsteht.
Warum Kreislaufwirtschaft lange stockte und heute neue Chancen hat
Ursprünglich sollte Zirkularität vor allem Arbeitsplätze schaffen. Doch Reparatur war teuer: Arbeit hoch besteuert, Rohstoffe billig, daher scheiterten viele Konzepte an der Wirtschaftlichkeit.
Heute haben sich die Rahmenbedingungen verändert:
- Industriearbeitsplätze gehen zurück,
- im Service fehlen Fachkräfte,
- das reine Jobargument trägt nicht mehr.
Entscheidend ist nun die Frage:
Wie lassen sich zirkuläre Modelle effizient, digitalisiert und skalierbar betreiben?
Für KMU bedeutet das: Erfolg entsteht dort, wo Prozesse schlank, digital und automatisierbar sind.
Systemische Geschäftsmodelle: Was Carrera und HP vormachen
Einige einfache, aber wirkungsvolle Beispiele:
Carrera-Bahn – Funktion statt Eigentum
- Produkte bestehen aus einem System kompatibler Teile.
- Kund:innen bleiben im System, kaufen Erweiterungen statt Neuprodukte.
- Second-Hand-Märkte erhalten den Wert über Jahrzehnte.
Druckermodelle – günstige Hardware, teure Verbrauchsmaterialien
- Das Gerät ist preiswert oder stark subventioniert.
- Wertschöpfung entsteht über Verbrauchsmaterialien, die systemgebunden sind.
- Ziel: langfristige Kundenbindung durch ein geschlossenes Ökosystem.
Diese Beispiele zeigen, dass Zirkuläre Geschäftsmodelle funktionieren dort, wo Produkt, Funktion, Erlösmodell und Systemgrenzen klug zusammenspielen.
Digitalisierung als Booster für zirkuläre Nutzung
Zirkularität entfaltet ihr volles Potenzial, wenn reale und digitale Welt zusammenkommen.
Beispiel Carsharing:
- Früher: Schlüsselbüro, feste Stationen, geringe Verfügbarkeit.
- Heute: App, Echtzeitverfügbarkeit, Öffnung per Smartphone, flexible Rückgabe.
Digitale Technik senkt Hürden und macht Sharing massentauglich.
Für KMU heißt das: Digitale Komponenten können aus einem guten Modell ein skalierbares Geschäftsmodell machen.
Hürden der Zirkularität erkennen und Lösungen entwickeln
Das Beispiel Waschsalon zeigt ein typisches Dilemma:
- technisch sinnvoll,
- ressourcenschonend,
- aber emotional wenig attraktiv.
Daraus folgt: Erfolgreiche Kreislaufmodelle müssen praktisch und attraktiv sein.
Mögliche Ansätze:
- Komfort erhöhen („der Waschsalon kommt zu dir“),
- Nutzung vereinfachen,
- digitale Services integrieren.
Intensivieren und verlängern – zwei Grundstrategien der Zirkularität
-
Intensivieren (Sharing)
- Autos stehen im Schnitt 23 Stunden pro Tag still.
- Sharing ermöglicht mehr Mobilität mit weniger Fahrzeugen.
- Städte gewinnen Fläche zurück.
-
Verlängern (Repair,Refurbish)
- Repair-Cafés zeigen das Potenzial längerer Nutzung.
- Gleichzeitig ist Reparatur arbeitsintensiv und schwer skalierbar.
Für KMU bedeutet das: Langfristig braucht es effiziente, digitale und automatisierte Prozesse – wie sie Plattformmodelle vormachen.
Momox als Beispiel für skalierbare Zirkularität
Momox kombiniert:
- digitale Plattform,
- automatisierte Logistik,
- systematische Aufbereitung.
So entsteht ein zirkuläres Geschäftsmodell, das wachstumsfähig ist und hohe Kundenakzeptanz erzielt.
Das Butterfly-Modell als Orientierung
Das bekannte Butterfly-Modell unterscheidet:
- Technische Kreisläufe (blau): Reuse, Repair, Refurbish, Recycling
- Biologische Kreisläufe (grün): Bioökonomie, natürliche Rückführung
Es zeigt:
Zirkularität bietet viele Ansatzpunkte – entscheidend ist, Geschäftsmodelle systemisch zu denken.

Fazit: Zirkularität ist Geschäftsmodell, nicht Moralappell
Zirkularität und Geschäftsmodelle sind untrennbar verbunden. Erfolgreiche Beispiele, von Carrera über Druckermodelle bis zu digitalen Second-Hand-Plattformen, zeigen:
Es geht nicht um Moral, sondern um clevere, kundenzentrierte und wirtschaftlich tragfähige Lösungen.
Für KMU bedeutet das:
- Nutzen vom Produkt trennen,
- Nutzung statt Besitz ermöglichen,
- digitale Komponenten integrieren,
- Kundenbindung durch Systemlogiken stärken,
- Reparatur, Sharing und Wiederverwertung effizient organisieren.
Wer heute beginnt, zirkuläre Wege zu entwickeln, schafft sich einen klaren Zukunftsvorteil und trägt zugleich zu einer ressourcenschonenden Wirtschaft bei.
Hinweis: Dieser Text wurde vom Redaktionsteam connectSHub mit KI-Unterstützung erstellt und inhaltlich geprüft. Grundlage des Inhalts ist das Transkript des Impulses aus unserer Veranstaltung:
Aufzeichnung vom 11.09.2025: Zirkularität trifft auf Geschäftsmodelle – Prof. Dr. Holger Petersen